Referat und Präsentation halten: Aufbau, Folien, Sprechen
Fachlich verantwortet von Prof. Dr. Alexander Holtermann · Stand 16.10.2026 · 5 Min. Lesezeit
Ein gutes Referat hat eine klare Kernbotschaft, einen Aufbau aus Einstieg, Hauptteil und Schluss, schlichte Folien und wird frei gesprochen.
Das Wichtigste in Kürze
- Beginne mit der Kernbotschaft: Was soll Dein Publikum nach dem Referat wissen? Alles andere ordnet sich ihr unter.
- Der klassische Aufbau trägt: Einstieg mit Frage oder Beispiel, Hauptteil mit drei bis vier Punkten, Schluss mit Zusammenfassung.
- Folien sollen wenig Text und klare Grafiken enthalten. Wer gleichzeitig liest und zuhört, versteht weniger.
- Sprich frei mit Stichwortkarten, mach Pausen und halte Blickkontakt. Ablesen ist der häufigste Fehler.
- Drei laute Probeläufe mit Stoppuhr sind die beste Vorbereitung gegen Nervosität und Zeitüberschreitung.
Schritt 1: Ziel und Kernbotschaft festlegen
Bevor Du recherchierst oder Folien baust, beantworte zwei Fragen: Wer ist mein Publikum, und was sollen die Zuhörer am Ende wissen? Formuliere Deine Kernbotschaft in einem Satz. Bei einem Referat über Prokrastination könnte sie lauten: „Aufschieben ist ein Problem der Gefühlsregulation, und konkrete Wenn-dann-Pläne helfen nachweislich.“
Diese Botschaft ist Dein Filter. Alles, was sie stützt, kommt ins Referat. Alles andere, auch wenn es interessant ist, fliegt raus oder landet im Handout. Die meisten Referate sind zu voll, nicht zu leer.
Kläre außerdem den Rahmen: Wie lange darfst Du sprechen? Gibt es Vorgaben zu Folien, Handout oder Diskussion? Wird das Referat benotet, und wenn ja, nach welchen Kriterien?
Schritt 2: Aufbau des Referats
Der klassische Dreischritt aus Einstieg, Hauptteil und Schluss funktioniert, weil er Orientierung gibt. Plane die Zeit bewusst: Der Hauptteil bekommt den größten Anteil, aber Einstieg und Schluss sind die Teile, die am meisten hängen bleiben.
| Teil | Anteil | Inhalt | Beispiel (Thema Prokrastination) |
|---|---|---|---|
| Einstieg | ca. 10 % | Aufmerksamkeit wecken, Thema und Fragestellung, Gliederung | „Wer hat diese Woche etwas aufgeschoben? Fast alle. Warum eigentlich?“ |
| Hauptteil | ca. 75 % | drei bis vier Punkte, jeder mit Beleg und Beispiel | Was ist Prokrastination? Ursachen. Wirksame Strategien. |
| Schluss | ca. 10 % | Zusammenfassung, Kernbotschaft, Ausblick | „Aufschieben ist normal, aber veränderbar. Probiert diese Woche einen Wenn-dann-Plan.“ |
| Diskussion | nach Vorgabe | Fragen beantworten, Diskussionsfrage stellen | „Welche Strategie habt ihr schon ausprobiert?“ |
Schritt 3: Folien gestalten, die helfen
Richard Mayer hat in vielen Experimenten untersucht, wie Menschen aus Wort und Bild lernen. Einige seiner Prinzipien passen direkt auf Präsentationsfolien. Das Kohärenzprinzip: Überflüssiges wie dekorative Bilder, Hintergrundmuster und Animationen lenkt ab. Das Signalprinzip: Hebe das Wichtigste hervor, damit das Publikum weiß, wohin es schauen soll. Das Redundanzprinzip: Wenn Du sprichst, stört derselbe Text in ganzen Sätzen auf der Folie, weil das Publikum liest statt zuhört.
Daraus folgen einfache Regeln. Formuliere Folientitel als Aussage. Zeig Grafiken statt Textwüsten. Nutze große Schrift, mindestens 24 Punkt, und höchstens sechs Zeilen pro Folie. Plane etwa eine Folie pro ein bis zwei Minuten.
- Eine Folie, eine Aussage
- Titel als Satz: „Studenten schieben vor allem unklare Aufgaben auf“ statt „Ursachen“
- Diagramme mit beschrifteten Achsen und Quelle
- einheitliche Farben und Schriften, keine Übergangseffekte
- Quellen klein unten auf der Folie, vollständige Angaben auf der letzten Folie oder im Handout
Schritt 4: Frei sprechen statt ablesen
Das Publikum hört Dir zu, nicht Deinen Folien. Wer abliest, verliert den Blickkontakt, spricht monoton und wirkt unsicher. Schreib deshalb keinen ausformulierten Text, sondern Stichwortkarten: pro Folie eine Karte mit drei bis fünf Stichworten und einem ausformulierten ersten Satz.
Sprich langsamer, als es sich für Dich natürlich anfühlt. Unter Nervosität werden die meisten schneller. Mach nach wichtigen Aussagen bewusst eine Pause von zwei Sekunden. Pausen wirken souverän und geben dem Publikum Zeit zum Mitdenken.
Verteile den Blickkontakt im Raum. Such Dir in jedem Bereich eine freundliche Person und wechsle zwischen ihnen. Stell Dich so, dass Du die Leinwand nicht verdeckst, und zeig mit der Hand oder einem Zeiger auf das, worüber Du sprichst.
Schritt 5: Proben und Nervosität in den Griff bekommen
Übe das Referat mindestens dreimal komplett laut und mit Stoppuhr. Beim ersten Durchlauf merkst Du, wo der Faden reißt. Beim zweiten kürzt Du. Beim dritten sitzt der Ablauf. Probe einmal vor anderen, auch wenn es nur eine Person ist.
Lampenfieber ist normal und geht meist nach den ersten zwei Minuten zurück. Deshalb solltest Du den Einstieg besonders gut vorbereiten, am besten die ersten zwei Sätze auswendig. Atme vor dem Start ruhig und lang aus. Halte ein Glas Wasser bereit. Und denk daran: Das Publikum merkt Deine Nervosität viel weniger als Du selbst.
Gruppenreferat und Handout
Bei Gruppenreferaten ist die größte Gefahr ein Flickenteppich aus Einzelteilen. Legt zuerst gemeinsam die Kernbotschaft und den roten Faden fest, dann teilt ihr die Abschnitte auf. Eine Person gestaltet am Ende alle Folien einheitlich. Plant die Übergänge: Wer übergibt an wen, mit welchem Satz? Probt mindestens einmal gemeinsam.
Ein Handout fasst das Referat auf ein bis zwei Seiten zusammen: Thema, Gliederung, Kernaussagen, wichtige Definitionen, Quellen. Es ist kein Ausdruck der Folien. Gib es am besten am Anfang aus, damit sich das Publikum Notizen dazu machen kann, oder am Ende, wenn Du verhindern willst, dass alle lesen statt zuhören.
Typische Fehler und wie Du sie vermeidest
Diese Fehler kosten in fast jedem Seminar Punkte. Zum Glück lassen sie sich mit wenig Aufwand vermeiden.
| Fehler | Lösung |
|---|---|
| Zeit deutlich überzogen | Mit Stoppuhr proben, Kürzungen vorher festlegen |
| Folien voller Text | Eine Aussage pro Folie, Rest in den Vortrag |
| Ablesen vom Blatt oder der Folie | Stichwortkarten, freies Sprechen üben |
| Kein roter Faden | Kernbotschaft festlegen, Gliederung am Anfang zeigen |
| Schluss fehlt oder endet mit „Das war es“ | Zusammenfassung und Kernbotschaft als letzter Satz |
| Fragen werden abgewürgt | Fragen vorhersehen, Zeit dafür einplanen |
Häufige Fragen
Wie baue ich ein Referat auf?
Einstieg mit Frage oder Beispiel und Gliederung, Hauptteil mit drei bis vier Punkten samt Belegen, Schluss mit Zusammenfassung und Kernbotschaft. Danach folgt oft eine Diskussion.
Wie viele Folien brauche ich für 15 Minuten?
Etwa 8 bis 12 Folien, also eine pro ein bis zwei Minuten. Jede Folie sollte genau eine Aussage tragen.
Wie halte ich ein Referat frei?
Schreib Stichwortkarten statt eines ganzen Texts, lerne die ersten zwei Sätze auswendig und probe mindestens dreimal laut mit Stoppuhr.
Was gehört auf ein Handout?
Thema, Gliederung, die wichtigsten Aussagen und Definitionen sowie die Quellen, auf ein bis zwei Seiten. Es ist eine Zusammenfassung, kein Ausdruck der Folien.
Was hilft gegen Nervosität vor einem Referat?
Gute Vorbereitung, ein auswendig gelernter Einstieg, ruhiges Ausatmen vor dem Start und das Wissen, dass Nervosität nach den ersten Minuten meist nachlässt.
Quellen und weiterführende Literatur
- Mayer, R. E. (2009). Multimedia Learning (2. Aufl.). Cambridge University Press.
- Roediger, H. L., & Karpicke, J. D. (2006). Test-enhanced learning: Taking memory tests improves long-term retention. Psychological Science, 17(3), 249–255.
Was an Deiner Hochschule gilt, steht in Prüfungsordnung und Leitfaden Deines Fachs — die haben immer Vorrang.
Passt dazu
- Kolloquium vorbereitenIm Kolloquium stellst Du Deine Arbeit in 15 bis 20 Minuten vor und beantwortest Fragen. Übe den Vortrag laut und bereite Antworten auf Kritik vor.
- Mündliche PrüfungFür die mündliche Prüfung lernst Du laut: Themen frei erklären, Prüfungsprotokolle auswerten, Probeprüfungen üben und Antworten klar gliedern.
- PrüfungsangstPrüfungsangst ist häufig und behandelbar. Gute Vorbereitung, Atemübungen und Sorgen aufschreiben helfen. Bei starker Angst: Beratung der Hochschule.
- Wissenschaftliche Texte lesenLies wissenschaftliche Texte nicht von vorn bis hinten: erst überblicken, dann mit Fragen lesen, aus dem Gedächtnis wiedergeben und ein Exzerpt anlegen.
- Lerngruppe organisierenEine gute Lerngruppe hat drei bis fünf Mitglieder, feste Termine, klare Rollen und nutzt die Treffen zum Abfragen und Erklären, nicht zum Vorlesen.