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Mitschreiben in der Vorlesung: Cornell-Methode, Hand oder Laptop

Fachlich verantwortet von Prof. Dr. Alexander Holtermann · Stand 16.10.2026 · 5 Min. Lesezeit

Schreib in eigenen Worten statt wörtlich mit. Die Cornell-Methode teilt die Seite in Notizen, Stichworte und Zusammenfassung und macht sie zum Lernmaterial.

Das Wichtigste in Kürze

  • Gute Mitschriften halten Struktur, Kernaussagen und Beispiele fest, nicht jedes Wort. Was auf den Folien steht, musst Du nicht abschreiben.
  • Die Cornell-Methode teilt die Seite in drei Bereiche: Notizen, Stichwort- und Fragenspalte, Zusammenfassung. Damit wird die Mitschrift direkt zum Lernmaterial.
  • Mitschreiben in eigenen Worten verarbeitet tiefer als wörtliches Tippen. Ob mit Hand oder Laptop ist weniger wichtig als wie Du schreibst.
  • Die wichtigste Arbeit passiert nach der Vorlesung: Notizen innerhalb von 24 Stunden durchsehen, ergänzen und Fragen formulieren.

Warum Mitschreiben hilft

Mitschreiben hat zwei Funktionen. Erstens hält es Inhalte fest, die Du später wiederholen kannst. Zweitens zwingt es Dich während der Vorlesung zur Verarbeitung: Du musst entscheiden, was wichtig ist, und es in eigene Worte fassen. Diese zweite Funktion wird oft unterschätzt.

Viele Dozenten stellen ihre Folien online. Trotzdem lohnt sich das Mitschreiben, denn die Folien enthalten selten die Erklärungen, Beispiele und Betonungen, die in der Vorlesung gesprochen werden. Genau diese Hinweise zeigen oft, was in der Prüfung wichtig ist.

Was Du mitschreiben solltest und was nicht

Wer versucht, alles mitzuschreiben, hört nicht mehr zu. Konzentriere Dich auf das, was nicht auf den Folien steht und was Dir beim Lernen hilft.

MitschreibenWeglassen
Erklärungen und Begründungen des DozentenText, der wörtlich auf den Folien steht
Beispiele, besonders eigene des DozentenAnekdoten ohne Bezug zum Stoff
Hinweise wie „Das ist wichtig“ oder „Das kommt dran“organisatorische Details, die online stehen
Zusammenhänge zwischen Themenausformulierte ganze Sätze
eigene Fragen und UnklarheitenWort-für-Wort-Mitschrift

Die Cornell-Methode Schritt für Schritt

Die Cornell-Methode wurde von Walter Pauk an der Cornell University entwickelt und ist eine der bekanntesten Mitschreibtechniken (Pauk und Owens, 2011). Der Vorteil: Die Methode macht aus der Mitschrift gleich ein Werkzeug für Abrufübungen.

Teile jede Seite in drei Bereiche. Rechts die breite Notizspalte (etwa zwei Drittel der Breite) für die Mitschrift während der Vorlesung. Links eine schmale Stichwortspalte für Schlüsselbegriffe und Fragen, die Du nach der Vorlesung ergänzt. Unten ein Streifen von fünf bis sieben Zentimetern für eine Zusammenfassung in zwei bis drei Sätzen.

BereichWannInhalt
Notizspalte (rechts, breit)während der VorlesungKernaussagen, Beispiele, Skizzen in Stichworten
Stichwortspalte (links, schmal)nach der VorlesungSchlüsselbegriffe und Fragen zu den Notizen
Zusammenfassung (unten)nach der Vorlesungzwei bis drei Sätze: Was ist das Wichtigste dieser Seite?

Mit Cornell-Notizen lernen

Der eigentliche Nutzen der Cornell-Methode zeigt sich beim Lernen. Deck die Notizspalte mit einem Blatt ab, sodass nur die Stichwortspalte sichtbar ist. Beantworte die Fragen und erkläre die Begriffe aus dem Gedächtnis. Dann deckst Du auf und vergleichst. Das ist eine Abrufübung, deren Wirksamkeit gut belegt ist (Roediger und Karpicke, 2006).

Die Fragen der Stichwortspalte kannst Du außerdem direkt in Karteikarten übertragen. So entsteht aus jeder Vorlesung ohne viel Zusatzaufwand Lernmaterial für die Klausur.

Hand oder Laptop: Was sagt die Forschung?

Eine viel zitierte Studie von Mueller und Oppenheimer (2014) fand, dass Studenten, die mit der Hand mitschrieben, bei Verständnisfragen besser abschnitten als jene, die am Laptop tippten. Die Erklärung: Wer tippt, schreibt eher wörtlich mit und verarbeitet weniger. Wer mit der Hand schreibt, muss zusammenfassen.

Spätere Wiederholungsstudien fanden den Vorteil der Handschrift allerdings deutlich schwächer oder nicht mehr eindeutig (Morehead, Dunlosky und Rawson, 2019). Das Fazit ist daher nüchterner: Entscheidend ist nicht das Werkzeug, sondern ob Du in eigenen Worten zusammenfasst. Klar ist außerdem, dass Ablenkung am Laptop durch Nachrichten und offene Webseiten schadet, auch Deinen Sitznachbarn.

KriteriumHandLaptop oder Tablet
Zusammenfassen statt Abschreibenerzwungen, weil langsamerbewusst üben nötig
Skizzen und Formelneinfachmit Stift auf dem Tablet gut, mit Tastatur mühsam
Durchsuchen und Ordnenschwierigeinfach
Ablenkunggeringhoch, wenn nicht abgeschaltet
Ergänzen nach der Vorlesungbegrenzter Platzunbegrenzt

Nach der Vorlesung: die entscheidenden 20 Minuten

Eine Mitschrift, die Du nie wieder ansiehst, hat ihren Wert schon zur Hälfte verloren. Nimm Dir innerhalb von 24 Stunden nach der Vorlesung 15 bis 20 Minuten, um Deine Notizen durchzugehen. Ergänze Lücken mithilfe der Folien, schreib Fragen in die Stichwortspalte und formuliere die Zusammenfassung.

Diese kurze Nachbereitung ist zugleich eine erste Wiederholung im Sinne des verteilten Lernens. Was Du am nächsten Tag noch einmal aktiv bearbeitest, hast Du in der Klausurphase deutlich schneller wieder parat. Unklare Punkte notierst Du für die nächste Übung, das Tutorium oder die Sprechstunde.

  • Notizen lesen und Unleserliches sofort korrigieren
  • Lücken aus Folien oder Lehrbuch ergänzen
  • Fragen und Schlüsselbegriffe in die Stichwortspalte schreiben
  • Zusammenfassung in zwei bis drei Sätzen formulieren
  • Fünf Fragen als Karteikarten übernehmen

Weitere Mitschreibtechniken

Die Cornell-Methode passt zu den meisten Vorlesungen, aber nicht zu allen. Je nach Fach und Vortragsstil können andere Formen besser funktionieren. Wichtig ist, dass Du eine Methode findest, die Dich zum aktiven Verarbeiten bringt.

Die Gliederungsmethode ordnet Notizen hierarchisch mit Überschriften und Einrückungen und passt zu gut strukturierten Vorlesungen. Mindmaps zeigen Zusammenhänge um ein zentrales Thema und eignen sich für Vorlesungen, die zwischen Themen springen. Die Tabellenmethode passt, wenn mehrere Theorien oder Konzepte nach denselben Kriterien verglichen werden. Viele kombinieren die Formen: Cornell als Rahmen, darin Gliederung, Skizzen oder kleine Tabellen.

Häufige Fragen

Was ist die Cornell-Methode?

Eine Mitschreibtechnik, die jede Seite in Notizspalte, Stichwortspalte und Zusammenfassung teilt. Die Stichwortspalte enthält Fragen, mit denen Du Dich später selbst abfragst.

Ist Mitschreiben mit der Hand besser als mit dem Laptop?

Eine bekannte Studie fand Vorteile für die Hand, spätere Studien fanden sie kleiner. Entscheidend ist, in eigenen Worten zusammenzufassen statt wörtlich zu tippen, und Ablenkungen abzuschalten.

Muss ich mitschreiben, wenn die Folien online sind?

Ja, aber anders: Schreib nicht ab, was auf den Folien steht, sondern Erklärungen, Beispiele und Hinweise des Dozenten. Notiere sie direkt neben den passenden Folien.

Wann sollte ich meine Mitschrift nachbereiten?

Innerhalb von 24 Stunden, für 15 bis 20 Minuten. Ergänze Lücken, formuliere Fragen und eine kurze Zusammenfassung. Das ist zugleich Deine erste Wiederholung.

Quellen und weiterführende Literatur

  • Pauk, W., & Owens, R. J. Q. (2011). How to Study in College (10. Aufl.). Wadsworth.
  • Mueller, P. A., & Oppenheimer, D. M. (2014). The pen is mightier than the keyboard: Advantages of longhand over laptop note taking. Psychological Science, 25(6), 1159–1168.
  • Morehead, K., Dunlosky, J., & Rawson, K. A. (2019). How much mightier is the pen than the keyboard for note-taking? A replication and extension of Mueller and Oppenheimer (2014). Educational Psychology Review, 31(3), 753–780.
  • Roediger, H. L., & Karpicke, J. D. (2006). Test-enhanced learning: Taking memory tests improves long-term retention. Psychological Science, 17(3), 249–255.

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