Einleitung schreiben: Bausteine, Länge und Beispiel
Fachlich verantwortet von Prof. Dr. Alexander Holtermann · Stand 16.10.2026 · 4 Min. Lesezeit
Eine wissenschaftliche Einleitung führt in vier Schritten zur Frage: Problem und Relevanz, Forschungslücke, Forschungsfrage und Ziel, Aufbau der Arbeit.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Einleitung umfasst etwa 5 bis 10 % des Textes: bei einer Hausarbeit 1 bis 2 Seiten, bei einer Bachelorarbeit 2 bis 4 Seiten.
- Pflichtbausteine sind Hinführung, Problemstellung und Relevanz, Forschungsfrage und Zielsetzung, Vorgehen und Aufbau der Arbeit.
- Schreib die Einleitung zuletzt oder überarbeite sie am Ende gründlich, damit sie zu dem passt, was die Arbeit wirklich leistet.
- In die Einleitung gehören keine Ergebnisse, keine ausführlichen Definitionen und keine persönliche Motivation ohne fachlichen Bezug.
- Auch die Einleitung braucht Belege: Zahlen, Fakten und Forschungsstand werden zitiert.
Welche Aufgabe hat die Einleitung?
Die Einleitung beantwortet drei Fragen des Lesers: Worum geht es? Warum ist das wichtig? Wie gehst Du vor? Damit gibt die Einleitung das Versprechen Deiner Arbeit ab, und das Fazit löst dieses Versprechen ein. Gutachter lesen Einleitung und Fazit oft direkt hintereinander, um zu prüfen, ob beides zusammenpasst.
Eine gute Einleitung ist kurz, präzise und belegt. Dabei führt sie vom Allgemeinen zum Besonderen: vom Problem über die Forschungslücke zur konkreten Frage. Danach weiß der Leser genau, was ihn erwartet.
Wie lang die Einleitung sein darf und ob die Ich-Form erlaubt ist, regelt Dein Institut. Maßgeblich ist der Leitfaden oder die Prüfungsordnung Deiner Hochschule. Lad ihn in Professor Digital hoch, dann richtet sich alles danach.
Die vier Bausteine einer Einleitung
Fast alle wissenschaftlichen Einleitungen folgen dieser Abfolge. Je nach Fach und Umfang können einzelne Bausteine kürzer oder länger sein. Die Prozentangaben beziehen sich auf die Länge der Einleitung.
| Baustein | Inhalt | Anteil |
|---|---|---|
| 1 Hinführung und Problemstellung | aktueller Anlass, Zahlen, Problem, belegt mit Quellen | etwa 30 % |
| 2 Forschungsstand und Lücke | was bekannt ist, was fehlt | etwa 25 % |
| 3 Forschungsfrage und Ziel | die Frage wörtlich, eventuell Unterfragen, Ziel der Arbeit | etwa 20 % |
| 4 Vorgehen und Aufbau | Methode in einem Satz, Überblick über die Kapitel | etwa 25 % |
Der Einstieg: wie Du den ersten Satz findest
Der erste Satz soll das Problem greifbar machen. Bewährt haben sich ein aktueller Befund mit Zahl, ein Widerspruch in der Forschung, eine gesellschaftliche Entwicklung oder ein konkreter Fall. Vermeide Allgemeinplätze wie „Seit jeher beschäftigt die Menschen …“ oder „In der heutigen Zeit …“. Solche Sätze sagen nichts und kosten Aufmerksamkeit.
Ein Zitat als Einstieg ist möglich, sollte aber direkt zum Problem führen und nicht bloß schmücken.
- Befund mit Zahl: „Rund ein Viertel der Bachelorstudenten bricht das Studium ab (Quelle, Jahr).“
- Widerspruch: „Während Studie A einen positiven Effekt findet, zeigt Studie B keinen Zusammenhang.“
- Entwicklung: „Seit 2020 hat sich der Anteil hybrider Lehrveranstaltungen deutlich erhöht.“
- Fall: „Im Jahr 2023 führte die Stadt X als erste Kommune in Y ein Bürgerbudget ein.“
Forschungsfrage und Aufbau klar benennen
Die Forschungsfrage sollte in der Einleitung wörtlich und gut auffindbar stehen, gern als eigener Satz oder optisch hervorgehoben. Formulierungen wie „Die vorliegende Arbeit geht der Frage nach, …“ oder „Ziel dieser Arbeit ist es, …“ sind üblich und völlig in Ordnung.
Der Überblick über den Aufbau beschreibt nicht nur die Kapitel, sondern ihre Funktion für die Argumentation. Statt „Kapitel 2 behandelt die Theorie“ schreibst Du besser: „Kapitel 2 klärt den Begriff der Resilienz und leitet aus dem Forschungsstand drei Hypothesen ab.“
Beispiel einer Einleitung (gekürzt)
Das folgende Beispiel zeigt die vier Bausteine in einer kurzen Einleitung für eine Hausarbeit. Die Quellen sind hier nur als Platzhalter angedeutet. In Deiner Arbeit stehen echte Belege.
Häufige Fehler in Einleitungen
Viele Einleitungen sind entweder zu lang oder zu unbestimmt. Diese Punkte solltest Du vor der Abgabe prüfen.
- Die Forschungsfrage fehlt oder ist nur ein Thema („Diese Arbeit befasst sich mit …“).
- Die Einleitung nimmt Ergebnisse vorweg.
- Lange Definitionen, die eigentlich ins Theoriekapitel gehören.
- Persönliche Motivation („Mich hat das Thema schon immer interessiert …“) ohne fachliche Begründung. In manchen Fächern ist ein kurzer Satz dazu üblich, in vielen nicht.
- Unbelegte Behauptungen über Zahlen oder Entwicklungen.
- Einleitung und Fazit passen nicht zusammen, weil die Einleitung nicht überarbeitet wurde.
Häufige Fragen
Wie lang ist eine Einleitung in der Bachelorarbeit?
Etwa 5 bis 10 % des Textes, bei 40 Seiten also 2 bis 4 Seiten. In einer Hausarbeit von 15 Seiten reichen 1 bis 1,5 Seiten.
Was gehört in eine Einleitung?
Problemstellung und Relevanz, Forschungsstand und Lücke, Forschungsfrage und Ziel sowie ein kurzer Überblick über Vorgehen und Aufbau der Arbeit.
Schreibt man die Einleitung zuerst oder zuletzt?
Am besten skizzierst Du sie früh als Arbeitsgrundlage und schreibst die endgültige Fassung zuletzt, wenn Du weißt, was die Arbeit tatsächlich zeigt.
Muss ich in der Einleitung zitieren?
Ja. Alle Zahlen, Fakten und Aussagen zum Forschungsstand belegst Du auch in der Einleitung mit Quellen.
Darf ich in der Einleitung meine persönliche Motivation nennen?
Ein kurzer Satz ist in manchen Fächern akzeptiert, sollte aber fachlich begründet sein. In vielen naturwissenschaftlichen und wirtschaftswissenschaftlichen Arbeiten ist er unüblich. Frag im Zweifel Deinen Betreuer.
Wie beginne ich eine Einleitung?
Mit einem belegten, konkreten Einstieg: einer aktuellen Zahl, einem Widerspruch in der Forschung oder einem Fall. Allgemeinplätze wie „In der heutigen Zeit“ solltest Du vermeiden, weil sie keine Information transportieren.
Quellen und weiterführende Literatur
- Esselborn-Krumbiegel, H. Von der Idee zum Text. Eine Anleitung zum wissenschaftlichen Schreiben. UTB, aktuelle Auflage.
- Kornmeier, M. Wissenschaftlich schreiben leicht gemacht. Für Bachelor, Master und Dissertation. Haupt (UTB), aktuelle Auflage.
- Swales, J. M. (1990). Genre Analysis. English in Academic and Research Settings. Cambridge University Press.
Was an Deiner Hochschule gilt, steht in Prüfungsordnung und Leitfaden Deines Fachs — die haben immer Vorrang.
Passt dazu
- Fazit schreibenDas Fazit beantwortet die Forschungsfrage direkt, fasst die wichtigsten Ergebnisse zusammen, nennt Grenzen und gibt einen Ausblick, ohne neue Inhalte.
- Forschungsfrage formulierenEine gute Forschungsfrage ist klar, eng begrenzt, offen formuliert und mit Deinen Mitteln beantwortbar. Meist beginnt sie mit Wie, Welche oder Inwiefern.
- Abstract schreibenEin Abstract fasst Deine Arbeit in 150 bis 250 Wörtern zusammen: Problem, Ziel, Methode, wichtigste Ergebnisse und Schlussfolgerung, ohne Zitate.
- Aufbau BachelorarbeitEine Bachelorarbeit gliedert sich in Einleitung, Theorie, Methode, Ergebnisse, Diskussion und Fazit. Der Hauptteil macht rund 80 % des Textes aus.
- Wissenschaftlicher SchreibstilWissenschaftlich schreiben heißt präzise, sachlich, belegt und verständlich schreiben. Kurze Sätze und klare Begriffe schlagen verschachtelten Fachjargon.