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Abstract schreiben: Aufbau, Länge und Beispiel

Fachlich verantwortet von Prof. Dr. Alexander Holtermann · Stand 16.10.2026 · 4 Min. Lesezeit

Ein Abstract fasst Deine Arbeit in 150 bis 250 Wörtern zusammen: Problem, Ziel, Methode, wichtigste Ergebnisse und Schlussfolgerung, ohne Zitate.

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein Abstract umfasst meist 150 bis 250 Wörter. Der APA-Stil nennt 250 Wörter als übliche Obergrenze.
  • Die fünf Bausteine sind Hintergrund, Ziel oder Fragestellung, Methode, Ergebnisse und Schlussfolgerung.
  • Das Abstract steht nach dem Deckblatt und vor dem Inhaltsverzeichnis, oft auf Deutsch und Englisch.
  • Unter dem Abstract folgen häufig 3 bis 5 Schlüsselwörter (Keywords).
  • Ein Abstract ist eigenständig verständlich: keine Zitate, keine Abkürzungen ohne Erklärung, keine Verweise auf Kapitel.

Was ist ein Abstract?

Ein Abstract ist eine kurze, eigenständige Zusammenfassung Deiner gesamten Arbeit. Es soll Lesern in einer Minute zeigen, worum es geht, wie Du vorgegangen bist und was herauskam. In Fachzeitschriften und Datenbanken entscheidet das Abstract, ob jemand den ganzen Text liest. In Abschlussarbeiten ist es oft Pflicht, manchmal sogar zweisprachig.

Wichtig: Ein Abstract ist kein Vorwort und keine Einleitung. Die Einleitung führt zur Frage hin, das Abstract fasst alles zusammen, einschließlich der Ergebnisse.

Aufbau: die fünf Bausteine

Die meisten Abstracts folgen dieser Struktur, auch wenn die Bausteine nicht als Überschriften auftauchen. Bei empirischen Arbeiten ist die Abfolge an den IMRaD-Aufbau angelehnt (Introduction, Methods, Results and Discussion).

BausteinFrageUmfang
HintergrundWelches Problem, warum relevant?1 bis 2 Sätze
Ziel und FragestellungWas wolltest Du herausfinden?1 Satz
MethodeWie bist Du vorgegangen, mit welchen Daten?1 bis 2 Sätze
ErgebnisseWas kam heraus, mit den wichtigsten Zahlen?2 bis 3 Sätze
SchlussfolgerungWas bedeutet das, was folgt daraus?1 bis 2 Sätze

Beispiel eines Abstracts

Das folgende Beispiel für eine empirische Bachelorarbeit umfasst rund 150 Wörter. Die Zahlen sind ausgedacht und dienen nur zur Veranschaulichung.

Regeln für Sprache und Form

Ein Abstract folgt eigenen sprachlichen Konventionen. Die Zeitform ist typischerweise gemischt: Für Dein Vorgehen und Deine Ergebnisse nutzt Du die Vergangenheit („wurden befragt“, „zeigte sich“), für allgemeine Aussagen und Schlussfolgerungen die Gegenwart („Die Ergebnisse sprechen dafür …“).

  • keine Zitate und keine Quellenangaben, außer bei Replikationsstudien
  • keine Abkürzungen ohne Erklärung, keine Verweise auf Kapitel oder Abbildungen
  • konkrete Zahlen statt vager Aussagen: „214 Erstsemester“ statt „viele Studenten“
  • ein Absatz ohne Zwischenüberschriften, außer Deine Vorgabe verlangt ein strukturiertes Abstract
  • Schlüsselwörter, die nicht schon im Titel stehen, damit die Arbeit unter mehr Begriffen gefunden wird

Abstract für theoretische Arbeiten

Auch eine Literaturarbeit braucht ein Abstract mit Ergebnis. Statt Stichprobe und Statistik beschreibst Du, welche Literatur Du nach welchen Kriterien ausgewertet hast und zu welcher Antwort Du kommst. Der häufigste Fehler bei theoretischen Arbeiten ist ein Abstract, das nur ankündigt („Diese Arbeit untersucht …“), aber das Ergebnis verschweigt.

Deutsch, Englisch oder beides?

Viele Hochschulen verlangen für Abschlussarbeiten ein Abstract auf Deutsch und Englisch, besonders in Natur-, Ingenieur- und Wirtschaftswissenschaften. Die englische Fassung heißt meist Abstract, die deutsche Zusammenfassung oder Kurzfassung. Beide Fassungen sollen inhaltlich gleich sein. Übersetze nicht Wort für Wort, sondern achte auf übliche Fachbegriffe in der jeweiligen Sprache. Ob und in welcher Sprache ein Abstract verlangt wird, ist unterschiedlich geregelt. Maßgeblich ist der Leitfaden oder die Prüfungsordnung Deiner Hochschule. Lad ihn in Professor Digital hoch, dann richtet sich alles danach.

Checkliste: Ist Dein Abstract fertig?

Lies Dein Abstract zum Schluss so, als hättest Du die Arbeit nie gesehen. Ein Leser, der nur diese Zeilen kennt, sollte die Arbeit einordnen und entscheiden können, ob sie für ihn relevant ist. Die folgenden Prüffragen helfen beim letzten Durchgang. Kannst Du eine davon nicht mit Ja beantworten, überarbeite den entsprechenden Satz.

  • Wird das Problem in einem oder zwei Sätzen klar, ohne Fachjargon, den nur Eingeweihte verstehen?
  • Steht die Forschungsfrage oder das Ziel ausdrücklich im Text?
  • Sind Methode, Stichprobe oder Material mit konkreten Angaben genannt?
  • Enthält das Abstract die wichtigsten Ergebnisse mit Zahlen, nicht nur die Ankündigung, dass es Ergebnisse gibt?
  • Folgt eine Schlussfolgerung, die nicht über die Daten hinausgeht?
  • Liegt die Länge innerhalb der Vorgabe, und stimmen Abstract, Einleitung und Fazit inhaltlich überein?

Häufige Fragen

Wie lang ist ein Abstract?

Meist 150 bis 250 Wörter, also etwa eine halbe Seite. Manche Hochschulen erlauben bei Masterarbeiten bis zu einer Seite. Halte Dich an die Vorgabe.

Wann schreibt man das Abstract?

Ganz am Ende, wenn alle Ergebnisse und das Fazit stehen. Nur dann kannst Du die Arbeit treffend zusammenfassen.

Ist ein Abstract dasselbe wie eine Einleitung?

Nein. Die Einleitung führt zur Forschungsfrage hin. Das Abstract fasst die ganze Arbeit zusammen, einschließlich Methode, Ergebnissen und Schlussfolgerung.

Gehört das Abstract ins Inhaltsverzeichnis?

Das regelt Dein Leitfaden. Meist steht das Abstract vor dem Inhaltsverzeichnis und wird dort nicht oder ohne Kapitelnummer aufgeführt.

Darf man im Abstract „ich“ schreiben?

In vielen Fächern ist ein unpersönlicher Stil üblich („Diese Arbeit untersucht …“). Der APA-Stil erlaubt die Ich-Form. Folge der Konvention Deines Fachs.

Quellen und weiterführende Literatur

  • American Psychological Association. (2020). Publication Manual of the American Psychological Association (7th ed.). APA.
  • Kornmeier, M. Wissenschaftlich schreiben leicht gemacht. Für Bachelor, Master und Dissertation. Haupt (UTB), aktuelle Auflage.
  • DIN ISO 214:1976. Dokumentation; Kurzreferate für Veröffentlichungen und Dokumentation. Beuth.

Was an Deiner Hochschule gilt, steht in Prüfungsordnung und Leitfaden Deines Fachs — die haben immer Vorrang.

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