Exposé schreiben: Aufbau, Zeitplan und Beispielgliederung
Fachlich verantwortet von Prof. Dr. Alexander Holtermann · Stand 16.10.2026 · 4 Min. Lesezeit
Ein Exposé stellt auf 3 bis 10 Seiten Thema, Forschungsfrage, Forschungsstand, Methode, Gliederung und Zeitplan Deiner Arbeit vor.
Das Wichtigste in Kürze
- Ein Exposé für eine Bachelorarbeit umfasst meist 2 bis 5 Seiten, für eine Masterarbeit 5 bis 10 Seiten, für eine Dissertation 10 bis 25 Seiten.
- Pflichtbausteine sind: Arbeitstitel, Problemstellung, Forschungsfrage, Forschungsstand, Methode, vorläufige Gliederung, Zeitplan und Literaturliste.
- Das Exposé ist ein Plan, kein Vertrag: Änderungen während der Arbeit sind normal, sollten aber mit dem Betreuer abgestimmt werden.
- Der Zeitplan sollte in Wochen oder Monaten rechnen und mindestens 10 bis 15 % Puffer enthalten.
- Viele Betreuer entscheiden anhand des Exposés, ob sie eine Arbeit annehmen. Es ist Deine erste Visitenkarte.
Was ist ein Exposé und wozu dient es?
Ein Exposé ist ein kurzer Projektplan für Deine Abschlussarbeit. Es zeigt, was Du untersuchen willst, warum das relevant ist und wie Du vorgehst. Für Dich ist es ein Denkwerkzeug: Beim Schreiben merkst Du, ob Deine Frage trägt und ob die Methode passt. Für Deinen Betreuer ist es die Grundlage, um Thema und Vorgehen zu beurteilen, bevor Du offiziell anmeldest.
Ob ein Exposé Pflicht ist, regelt Deine Hochschule. Bei Masterarbeiten und Dissertationen ist es fast immer üblich, bei Bachelorarbeiten oft nur auf Wunsch des Betreuers. Manche Lehrstühle haben eigene Vorlagen. Frag danach, bevor Du anfängst. Maßgeblich ist der Leitfaden oder die Prüfungsordnung Deiner Hochschule. Lad ihn in Professor Digital hoch, dann richtet sich alles danach.
Aufbau eines Exposés: die Bausteine
Die folgenden Bausteine findest Du in nahezu allen Exposé-Vorgaben. Die Reihenfolge kann variieren, der Inhalt bleibt gleich. Halte jeden Baustein knapp: Ein Exposé lebt von Präzision, nicht von Länge.
| Baustein | Inhalt | Umfang (Masterarbeit) |
|---|---|---|
| Arbeitstitel | Thema plus Untertitel mit Methode oder Fall | 1 bis 2 Zeilen |
| Problemstellung und Relevanz | Worum geht es, warum ist das wichtig? | eine halbe bis 1 Seite |
| Forschungsstand und Forschungslücke | Was ist bekannt, was fehlt? | 1 bis 2 Seiten |
| Forschungsfrage und Ziel | Die zentrale Frage, eventuell Unterfragen oder Hypothesen | eine halbe Seite |
| Theoretischer Rahmen | Welche Theorie oder welches Modell leitet die Arbeit? | eine halbe bis 1 Seite |
| Methode | Design, Daten, Stichprobe, Auswertung | 1 bis 2 Seiten |
| Vorläufige Gliederung | Kapitel mit zwei Ebenen | eine halbe Seite |
| Zeitplan | Arbeitsschritte mit Wochen oder Monaten | eine halbe Seite |
| Literatur | zentrale Quellen, bereits gelesene markiert | 1 Seite |
Problemstellung, Forschungsstand und Frage überzeugend darstellen
Der Kern eines Exposés ist die Argumentationskette aus Problem, Lücke und Frage. Beginne mit einem konkreten Problem oder einer Beobachtung, belegt durch Zahlen oder Literatur. Fasse dann den Forschungsstand in wenigen Absätzen zusammen: Welche Studien gibt es, was zeigen sie, wo bleiben Fragen offen? Daraus folgt Deine Forschungsfrage beinahe zwingend.
Vermeide im Forschungsstand eine Aufzählung einzelner Studien. Ordne die Literatur nach Themen oder Befunden und zeige, wo sich Studien widersprechen oder eine Gruppe fehlt.
Die Methode im Exposé beschreiben
Im Methodenteil zeigst Du, dass Dein Vorhaben machbar ist. Nenne das Forschungsdesign (quantitativ, qualitativ oder gemischt), die Art der Daten, die geplante Stichprobe und das Auswertungsverfahren. Begründe jede Entscheidung kurz mit Bezug auf Deine Frage. Bei empirischen Arbeiten gehört auch der Feldzugang dazu: Wie erreichst Du die Teilnehmer, und ist das realistisch?
- Design: zum Beispiel Querschnittsbefragung, Leitfadeninterviews oder Dokumentenanalyse
- Stichprobe: Zielgruppe, angestrebte Größe und Begründung
- Instrument: eigener Fragebogen, etablierte Skalen oder Interviewleitfaden
- Auswertung: zum Beispiel Regressionsanalyse oder qualitative Inhaltsanalyse
- Ethik und Datenschutz: Einwilligung, Anonymisierung, Speicherung
Zeitplan: realistisch und mit Puffer
Ein Zeitplan im Exposé zeigt, dass Du die Arbeitsschritte überblickst. Eine Tabelle mit Phasen und Wochen ist am übersichtlichsten. Plane die Datenerhebung großzügig, denn Rücklauf und Terminabsprachen dauern fast immer länger als gedacht. Lege Meilensteine fest, an denen Du mit Deinem Betreuer sprichst.
| Phase | Monat 1 | Monat 2 | Monat 3 | Monat 4 | Monat 5 | Monat 6 |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Literatur und Theorie | x | x | ||||
| Instrument und Pretest | x | |||||
| Datenerhebung | x | x | ||||
| Auswertung | x | x | ||||
| Schreiben und Überarbeiten | x | x | x | x | x | |
| Puffer, Korrektur, Abgabe | x |
Beispielgliederung eines Exposés
Die folgende Gliederung passt für eine empirische Masterarbeit. Für eine Literaturarbeit ersetzt Du den Methodenteil durch eine Beschreibung der Literaturauswahl und der Vergleichskriterien.
Häufige Fehler im Exposé
Betreuer sehen viele Exposés. Diese Fehler fallen am häufigsten auf und lassen sich leicht vermeiden.
- keine klare Forschungsfrage, sondern nur ein Themenbereich
- Forschungsstand als Liste von Zusammenfassungen ohne erkennbare Lücke
- Methode ohne Begründung oder ohne Angaben zum Feldzugang
- Zeitplan ohne Puffer oder mit unrealistischen Phasen von einer Woche für die Datenerhebung
- zu viele Unterfragen, die den Rahmen einer Abschlussarbeit sprengen
Häufige Fragen
Wie lang ist ein Exposé für eine Bachelorarbeit?
Meist 2 bis 5 Seiten ohne Literaturliste. Manche Betreuer wünschen nur eine Seite. Frag nach der Vorgabe Deines Lehrstuhls.
Was gehört in ein Exposé?
Arbeitstitel, Problemstellung, Forschungsstand, Forschungsfrage, theoretischer Rahmen, Methode, vorläufige Gliederung, Zeitplan und Literatur.
Ist das Exposé verbindlich?
Nein, es ist ein Arbeitsplan. Änderungen an Frage oder Methode sind möglich, solltest Du aber mit Deinem Betreuer absprechen und begründen.
Muss ich im Exposé schon zitieren?
Ja. Problemstellung und Forschungsstand belegst Du mit Quellen in der Zitierweise, die auch für die Arbeit gilt. Das zeigt, dass Du die Literatur kennst.
Wann schreibe ich das Exposé?
Vor der Anmeldung der Arbeit, nachdem Du Thema und Frage grob festgelegt und einen ersten Literaturüberblick gewonnen hast. Plane dafür 2 bis 4 Wochen ein.
Quellen und weiterführende Literatur
- Karmasin, M., & Ribing, R. Die Gestaltung wissenschaftlicher Arbeiten. UTB (facultas), aktuelle Auflage.
- Döring, N. (2023). Forschungsmethoden und Evaluation in den Sozial- und Humanwissenschaften (6. Aufl.). Springer.
- Kornmeier, M. Wissenschaftlich schreiben leicht gemacht. Für Bachelor, Master und Dissertation. Haupt (UTB), aktuelle Auflage.
Was an Deiner Hochschule gilt, steht in Prüfungsordnung und Leitfaden Deines Fachs — die haben immer Vorrang.
Passt dazu
- Forschungsfrage formulierenEine gute Forschungsfrage ist klar, eng begrenzt, offen formuliert und mit Deinen Mitteln beantwortbar. Meist beginnt sie mit Wie, Welche oder Inwiefern.
- Thema findenEin gutes Thema verbindet Interesse, Forschungslücke und Machbarkeit. Grenze es nach Zeit, Ort, Personengruppe oder Theorie ein, bis eine Frage entsteht.
- Masterarbeit schreibenEine Masterarbeit ist länger, eigenständiger und methodisch anspruchsvoller als eine Bachelorarbeit. Plane 4 bis 6 Monate und einen eigenen Beitrag.
- Gliederung erstellenEine gute Gliederung folgt Deiner Forschungsfrage, nutzt meist die Nummerierung 1, 1.1, 1.1.1 und kommt mit höchstens drei Ebenen aus.
- LiteraturrechercheEine gute Literaturrecherche kombiniert Bibliothekskatalog, Fachdatenbanken und Schneeballprinzip, nutzt Suchoperatoren und prüft jede Quelle auf Qualität.