Literaturrecherche: Datenbanken, Suchoperatoren und Qualität prüfen
Fachlich verantwortet von Prof. Dr. Alexander Holtermann · Stand 16.10.2026 · 4 Min. Lesezeit
Eine gute Literaturrecherche kombiniert Bibliothekskatalog, Fachdatenbanken und Schneeballprinzip, nutzt Suchoperatoren und prüft jede Quelle auf Qualität.
Das Wichtigste in Kürze
- Beginne mit Lehrbüchern und Übersichtsartikeln, dann arbeitest Du Dich über Fachdatenbanken zu aktuellen Fachaufsätzen vor.
- Die wichtigsten Suchoperatoren sind AND (beide Begriffe), OR (einer der Begriffe), NOT (ausschließen), Anführungszeichen für Phrasen und * für Wortendungen.
- Das Schneeballprinzip funktioniert in zwei Richtungen: rückwärts über das Literaturverzeichnis und vorwärts über später erschienene Arbeiten, die eine Quelle zitieren.
- Fachaufsätze mit Peer Review, Fachbücher aus Wissenschaftsverlagen und amtliche Statistiken gelten als zitierfähig. Vorlesungsfolien und anonyme Webseiten in der Regel nicht.
- Dokumentiere Suchbegriffe, Datenbanken und Trefferzahlen. Bei systematischen Arbeiten ist das Pflicht.
Wo suchst Du wissenschaftliche Literatur?
Wissenschaftliche Literatur findest Du nicht über eine allgemeine Websuche, sondern über spezialisierte Werkzeuge. Fast alle davon stellt Dir Deine Hochschulbibliothek kostenlos zur Verfügung, oft nur im Hochschulnetz oder über einen Fernzugang (VPN oder Anmeldung mit Hochschulkonto).
| Quelle | Was Du dort findest | Wofür besonders gut |
|---|---|---|
| Bibliothekskatalog (OPAC) | Bücher, Sammelbände, Zeitschriften Deiner Bibliothek | Einstieg, Lehrbücher, Handbücher |
| Verbundkataloge und Fernleihe | Bestände anderer Bibliotheken | Bücher, die Deine Bibliothek nicht hat |
| Fachdatenbanken | Fachaufsätze eines Fachgebiets mit Schlagworten und Abstracts | gezielte, vollständige Suche im eigenen Fach |
| fachübergreifende Zitationsdatenbanken | Aufsätze vieler Fächer mit Zitationsangaben | Vorwärtssuche, einflussreiche Arbeiten finden |
| wissenschaftliche Suchmaschinen | große Mengen frei zugänglicher und verlagsgebundener Texte | schneller Überblick, Volltexte finden |
| Repositorien und Open-Access-Verzeichnisse | frei zugängliche Aufsätze und Abschlussarbeiten | Volltexte ohne Zugangsschranke |
| amtliche Statistik | Daten von Statistikämtern, Ministerien, EU-Behörden | Zahlen für Einleitung und Problemstellung |
Suchbegriffe entwickeln
Zerlege Deine Forschungsfrage in zwei bis vier Kernkonzepte. Sammle zu jedem Konzept Synonyme, Ober- und Unterbegriffe sowie die englische Übersetzung, denn die meiste Fachliteratur ist englisch. Fachdatenbanken arbeiten oft mit einem kontrollierten Vokabular (Thesaurus oder Schlagwortliste). Wenn Du dort den passenden Begriff findest, werden Deine Ergebnisse deutlich genauer.
Suchoperatoren: so suchst Du gezielt
Mit Suchoperatoren verknüpfst Du Begriffe logisch. Fast alle Datenbanken und Kataloge unterstützen sie, wenn auch teils mit leicht unterschiedlicher Schreibweise. Schau in die Hilfeseite der jeweiligen Datenbank.
| Operator | Wirkung | Beispiel |
|---|---|---|
| AND | beide Begriffe müssen vorkommen, weniger Treffer | anxiety AND procrastination |
| OR | mindestens ein Begriff, mehr Treffer, für Synonyme | students OR undergraduates |
| NOT | Begriff ausschließen | anxiety NOT children |
| „ “ (Phrase) | genau diese Wortfolge | „test anxiety“ |
| * (Trunkierung) | beliebige Wortendung | procrastinat* findet procrastination, procrastinating |
| ? (Platzhalter) | genau ein beliebiges Zeichen | wom?n findet woman und women |
| ( ) (Klammern) | Begriffe gruppieren | („test anxiety“ OR „exam anxiety“) AND procrastinat* |
Das Schneeballprinzip
Hast Du einige gute Quellen gefunden, nutzt Du sie als Ausgangspunkt. Beim rückwärts gerichteten Schneeball wertest Du das Literaturverzeichnis aus und findest ältere, grundlegende Arbeiten. Beim vorwärts gerichteten Schneeball suchst Du in Zitationsdatenbanken oder wissenschaftlichen Suchmaschinen, welche neueren Arbeiten diese Quelle zitieren. So findest Du den aktuellen Stand.
Das Schneeballprinzip ist effizient, hat aber eine Schwäche: Du bleibst im Zitierkreis bestimmter Autoren. Kombiniere es deshalb immer mit einer systematischen Suche in Fachdatenbanken, damit Du keine Gegenpositionen übersiehst.
Qualität einer Quelle prüfen
Nicht alles, was gedruckt oder online ist, ist zitierfähig. Prüf jede Quelle, bevor Du sie verwendest. Ein bewährtes Raster ist der CRAAP-Test mit fünf Kriterien: Aktualität (Currency), Relevanz (Relevance), Autorität (Authority), Genauigkeit (Accuracy) und Zweck (Purpose).
- Aktualität: Wann erschienen? In schnelllebigen Feldern sind Studien über zehn Jahre oft überholt, Klassiker bleiben zitierfähig.
- Relevanz: Beantwortet die Quelle wirklich Deine Frage, oder ist sie nur thematisch ähnlich?
- Autorität: Wer schreibt? Mit welcher Qualifikation, für welche Institution, in welchem Verlag?
- Genauigkeit: Gibt es Belege, Methodenbeschreibung, Peer Review?
- Zweck: Will der Text informieren oder verkaufen, überzeugen, unterhalten?
Recherche dokumentieren und organisieren
Notiere von Anfang an, wo Du mit welchen Begriffen gesucht hast und wie viele Treffer es gab. Das hilft Dir, Suchen zu wiederholen, und ist bei systematischen Literaturarbeiten im Methodenteil Pflicht. Speichere jede relevante Quelle sofort mit vollständigen Angaben in einer Literaturverwaltung wie Citavi oder Zotero. Damit erstellst Du später Kurzbelege und Literaturverzeichnis automatisch und vermeidest Tippfehler.
Lege beim Lesen fest, wofür Du eine Quelle brauchst: als Definition, als Befund, als Gegenposition oder als Methode. Diese Notiz spart Dir beim Schreiben viel Suchzeit.
Häufige Fragen
Wie finde ich Literatur für meine Bachelorarbeit?
Beginne im Katalog Deiner Hochschulbibliothek mit Lehrbüchern, suche dann in den Fachdatenbanken Deines Fachs mit Suchoperatoren nach Fachaufsätzen und erweitere die Liste über das Schneeballprinzip.
Welche Quellen sind zitierfähig?
Fachaufsätze mit Peer Review, Fachbücher und Sammelbände aus Wissenschaftsverlagen, Dissertationen, amtliche Statistiken und Gesetzestexte. Nicht zitierfähig sind in der Regel Vorlesungsfolien, Lexika für Allgemeinwissen und Webseiten ohne erkennbaren Autor oder Herausgeber.
Wie komme ich kostenlos an Fachaufsätze?
Über die Lizenzen Deiner Hochschulbibliothek, über Open-Access-Repositorien, über die Fernleihe oder indem Du die Autoren direkt anschreibst. Die meisten teilen ihre Aufsätze gern.
Was ist das Schneeballprinzip?
Eine Recherchetechnik, bei der Du von einer guten Quelle ausgehst und über ihr Literaturverzeichnis ältere sowie über Zitationssuchen neuere Arbeiten findest.
Wie alt dürfen Quellen sein?
Das hängt vom Fach ab. In schnelllebigen Feldern sollten empirische Befunde meist aus den letzten 5 bis 10 Jahren stammen. Grundlagenwerke und Klassiker darfst Du unabhängig vom Alter zitieren.
Was mache ich, wenn ich zu meinem Thema nichts finde?
Erweitere zuerst Deine Suchbegriffe um Synonyme, Oberbegriffe und englische Begriffe und nutze die Schlagworte der Fachdatenbank. Hilft das nicht, such nach verwandten Themen oder Nachbardisziplinen. Findest Du dann immer noch kaum Literatur, ist das Thema vielleicht zu eng oder zu neu. Sprich mit Deinem Betreuer über eine Anpassung, und frag die Fachreferenten Deiner Bibliothek, die oft kostenlose Rechercheberatung anbieten.
Kann ich mit KI-Tools wie Elicit oder Perplexity recherchieren?
Für einen ersten Überblick und Suchbegriffe ja. Diese Werkzeuge können aber Inhalte falsch zusammenfassen oder Quellen falsch zuordnen. Prüf jede Quelle im Original und recherchiere für die Arbeit in Fachdatenbanken und im Bibliothekskatalog weiter.
Quellen und weiterführende Literatur
- Franck, N., & Stary, J. (Hrsg.). Die Technik wissenschaftlichen Arbeitens. UTB, aktuelle Auflage.
- Döring, N. (2023). Forschungsmethoden und Evaluation in den Sozial- und Humanwissenschaften (6. Aufl.). Springer.
- Kornmeier, M. Wissenschaftlich schreiben leicht gemacht. Für Bachelor, Master und Dissertation. Haupt (UTB), aktuelle Auflage.
Was an Deiner Hochschule gilt, steht in Prüfungsordnung und Leitfaden Deines Fachs — die haben immer Vorrang.
Passt dazu
- Systematisches LiteraturreviewEin systematisches Review sucht, prüft und fasst Studien nach festgelegten, dokumentierten Regeln zusammen. PRISMA 2020 gibt den Berichtsstandard vor.
- LiteraturverzeichnisIns Literaturverzeichnis gehört jede zitierte Quelle, alphabetisch nach Nachnamen, vollständig und einheitlich im vorgeschriebenen Zitierstil.
- Thema findenEin gutes Thema verbindet Interesse, Forschungslücke und Machbarkeit. Grenze es nach Zeit, Ort, Personengruppe oder Theorie ein, bis eine Frage entsteht.
- Zitieren nach APA 7APA 7 belegt im Text mit Autor und Jahr, etwa (Müller, 2021, S. 12). Im Literaturverzeichnis stehen alle Quellen alphabetisch mit hängendem Einzug.
- Plagiat vermeidenEin Plagiat ist die Übernahme fremder Texte oder Ideen ohne Beleg. Du vermeidest es durch sauberes Exzerpieren, Belegen und echtes Paraphrasieren.
- Literaturverwaltung im VergleichCitavi ist an deutschen Hochschulen verbreitet (Windows, Wissensorganisation), Zotero kostenlos auf allen Systemen. Weitere: EndNote, Mendeley, JabRef.
- KI-Tools im StudiumChatGPT, Claude, Gemini, Perplexity, DeepL, Elicit und Consensus helfen beim Verstehen, Suchen und Formulieren. Was erlaubt ist, regelt Deine Hochschule.