Hausarbeit schreiben: Schritt für Schritt von Thema bis Abgabe
Fachlich verantwortet von Prof. Dr. Alexander Holtermann · Stand 16.10.2026 · 5 Min. Lesezeit
Eine Hausarbeit entsteht in acht Schritten: Thema, Frage, Literatur, Gliederung, Rohfassung, Überarbeitung, Formalia, Abgabe. Plane rund 4 bis 6 Wochen ein.
Das Wichtigste in Kürze
- Eine Hausarbeit im Bachelor umfasst meist 10 bis 20 Seiten Fließtext, im Master 15 bis 25 Seiten. Der genaue Umfang steht in der Modulbeschreibung oder im Leitfaden Deines Instituts.
- Das Herzstück ist eine klare Forschungsfrage. Ohne Frage entsteht eine Nacherzählung von Literatur, die meist nur im Bereich 3,0 bis 4,0 bewertet wird.
- Plane die Zeit grob so: 20 % Thema und Recherche, 20 % Lesen und Exzerpieren, 35 % Schreiben, 25 % Überarbeiten und Formalia.
- Die Einleitung macht etwa 10 % des Textes aus, der Hauptteil 80 %, das Fazit 10 %.
- Sprich Dein Thema und Deine Gliederung vor dem Schreiben mit dem Dozenten ab. Ein kurzer Termin in der Sprechstunde verhindert die häufigsten Fehlstarts.
Was ist eine Hausarbeit und was wird erwartet?
Eine Hausarbeit ist eine schriftliche Prüfungsleistung, in der Du eine eng begrenzte Frage mit wissenschaftlichen Mitteln beantwortest. Du zeigst, dass Du Literatur finden, verstehen, vergleichen und korrekt belegen kannst und dass Du daraus eine eigene, begründete Antwort entwickelst.
Gutachter bewerten in der Regel vier Dinge: Fragestellung und Aufbau (Ist die Frage klar, folgt der Aufbau ihr?), Inhalt und Argumentation (Ist das Fachwissen korrekt, wird die Frage beantwortet?), Umgang mit Literatur (Sind die Quellen einschlägig und sauber belegt?) und Form und Sprache (Zitierweise, Rechtschreibung, Layout). Viele Institute veröffentlichen ihre Bewertungsbögen. Umfang, Zitierstil und Formatvorgaben unterscheiden sich stark zwischen Fächern und Instituten. Maßgeblich ist der Leitfaden oder die Prüfungsordnung Deiner Hochschule. Lad ihn in Professor Digital hoch, dann richtet sich alles danach.
Die acht Schritte im Überblick
Eine Hausarbeit gelingt am besten, wenn Du sie als Abfolge kleiner Arbeitspakete planst. Die Schritte überlappen sich: Beim Schreiben merkst Du oft, dass Dir noch Literatur fehlt, und beim Lesen schärfst Du Deine Frage nach.
| Schritt | Was Du tust | Ergebnis | Zeitanteil |
|---|---|---|---|
| 1. Thema eingrenzen | Aus dem Seminarthema einen kleinen Ausschnitt wählen | ein Arbeitstitel | 5 % |
| 2. Forschungsfrage | Eine beantwortbare Frage formulieren | eine Frage in einem Satz | 5 % |
| 3. Recherche | Kataloge und Fachdatenbanken durchsuchen | 15 bis 30 einschlägige Quellen | 10 % |
| 4. Lesen und Exzerpieren | Kernaussagen mit Seitenzahl notieren | Exzerpte je Quelle | 20 % |
| 5. Gliederung | Argumentationsweg festlegen | Gliederung mit 2 bis 3 Ebenen | 5 % |
| 6. Rohfassung | Hauptteil zuerst, dann Einleitung und Fazit | vollständiger Entwurf | 30 % |
| 7. Überarbeiten | Logik, Stil, Belege prüfen | überarbeitete Fassung | 15 % |
| 8. Formalia und Abgabe | Verzeichnisse, Layout, Erklärung | abgabefertige Datei | 10 % |
Vom Seminarthema zur Forschungsfrage
Seminarthemen sind fast immer zu breit. „Digitalisierung in der Schule“ füllt Bibliotheken, aber keine 15 Seiten. Grenze Dein Thema deshalb nach mindestens zwei Kriterien ein: zeitlich, räumlich, nach Personengruppe, nach Theorie oder nach einem konkreten Fall.
Aus dem eingegrenzten Thema machst Du eine Frage. Gute Fragen beginnen oft mit „Wie“, „Inwiefern“ oder „Welche“ und lassen sich mit Literatur oder eigenen Daten im vorgegebenen Umfang beantworten. Eine Ja-Nein-Frage ist meist zu dünn, eine Warum-Frage über große gesellschaftliche Entwicklungen meist zu groß.
Recherche, Lesen und Exzerpieren
Beginne mit einem aktuellen Lehrbuch oder Handbuchartikel. Dort findest Du Grundbegriffe und die wichtigsten Autoren. Von dort arbeitest Du Dich mit dem Schneeballprinzip zu Fachaufsätzen vor und ergänzt gezielt über Fachdatenbanken.
Notiere beim Lesen sofort die vollständige bibliografische Angabe und zu jeder Kernaussage die Seitenzahl. Eine Literaturverwaltung spart Dir am Ende Stunden. Trenne im Exzerpt klar zwischen wörtlichen Zitaten (in Anführungszeichen), Paraphrasen und Deinen eigenen Gedanken, sonst entstehen später unbeabsichtigte Plagiate.
- für 15 Seiten genügen oft 15 bis 25 Quellen, davon ein guter Teil Fachaufsätze
- Primärquellen (Originalstudien, Gesetzestexte, Originalwerke) haben Vorrang vor Zusammenfassungen
- Webseiten nur, wenn Herausgeber und Datum klar sind, etwa Statistikämter oder Ministerien
- Vorlesungsfolien und Lexika für Allgemeinwissen sind keine zitierfähigen Quellen
Gliederung und Schreiben der Rohfassung
Die Gliederung ist Dein Argumentationsplan. Jedes Kapitel des Hauptteils sollte einen Schritt zur Antwort auf die Forschungsfrage liefern. Typisch ist der Dreischritt aus Begriffen und Theorie, Analyse oder Vergleich und einer zusammenführenden Diskussion.
Schreib zuerst den Hauptteil, dann das Fazit und zuletzt die Einleitung. So weißt Du beim Schreiben der Einleitung genau, was Deine Arbeit tatsächlich leistet. Perfektion ist in der Rohfassung fehl am Platz: Schreib zügig, markiere Lücken mit Platzhaltern und überarbeite später.
Überarbeiten, Formalia und Abgabe
Überarbeite in mehreren Durchgängen mit jeweils einem Fokus: erst Inhalt und roter Faden, dann Absätze und Übergänge, dann Satzbau und Stil, zuletzt Rechtschreibung und Belege. Ein Ausdruck oder eine Pause von einem Tag hilft, Fehler zu sehen.
Zu den Formalia gehören fast immer Deckblatt, Inhaltsverzeichnis, Literaturverzeichnis und eine unterschriebene Eigenständigkeitserklärung. Viele Institute geben Schriftgröße 12 Punkt, Zeilenabstand 1,5 und Ränder von 2,5 cm vor. Halte Dich an die Vorgaben Deines Instituts, nicht an allgemeine Faustregeln.
- Stimmen alle Kurzbelege mit dem Literaturverzeichnis überein?
- Beantwortet das Fazit genau die Frage aus der Einleitung?
- Sind Abbildungen und Tabellen nummeriert und mit Quelle versehen?
- Ist die Erklärung zur Nutzung von Hilfsmitteln und KI ausgefüllt?
- Liegt die Datei im verlangten Format vor (meist PDF) und ist der Abgabetermin notiert?
Häufige Fragen
Wie lange braucht man für eine Hausarbeit?
Für 15 Seiten solltest Du mit 80 bis 120 Arbeitsstunden rechnen, verteilt auf etwa 4 bis 6 Wochen. Wer nebenbei Klausuren schreibt, plant besser 8 Wochen ein.
Wie viele Quellen braucht eine Hausarbeit?
Als grobe Orientierung gilt etwa eine bis zwei Quellen pro Seite, also 15 bis 25 Quellen bei 15 Seiten. Wichtiger als die Zahl ist, dass die Quellen einschlägig und wissenschaftlich sind.
Womit fange ich bei einer Hausarbeit an?
Mit der Eingrenzung des Themas und einer vorläufigen Forschungsfrage. Erst danach lohnt sich die gezielte Recherche, sonst liest Du zu breit.
Darf man in einer Hausarbeit „ich“ schreiben?
In vielen Fächern ist die Ich-Form inzwischen für die Beschreibung des eigenen Vorgehens akzeptiert, etwa „Ich untersuche …“. Manche Institute lehnen sie ab. Prüf den Leitfaden oder frag Deinen Dozenten.
Was passiert, wenn ich die Hausarbeit zu spät abgebe?
In der Regel gilt die Prüfung dann als nicht bestanden. Bei Krankheit kannst Du meist mit ärztlichem Attest eine Verlängerung beantragen, und zwar vor Ablauf der Frist beim Prüfungsamt.
Quellen und weiterführende Literatur
- Esselborn-Krumbiegel, H. Von der Idee zum Text. Eine Anleitung zum wissenschaftlichen Schreiben. UTB, aktuelle Auflage.
- Kornmeier, M. Wissenschaftlich schreiben leicht gemacht. Für Bachelor, Master und Dissertation. Haupt (UTB), aktuelle Auflage.
- Franck, N., & Stary, J. (Hrsg.). Die Technik wissenschaftlichen Arbeitens. UTB, aktuelle Auflage.
Was an Deiner Hochschule gilt, steht in Prüfungsordnung und Leitfaden Deines Fachs — die haben immer Vorrang.
Passt dazu
- Thema findenEin gutes Thema verbindet Interesse, Forschungslücke und Machbarkeit. Grenze es nach Zeit, Ort, Personengruppe oder Theorie ein, bis eine Frage entsteht.
- Forschungsfrage formulierenEine gute Forschungsfrage ist klar, eng begrenzt, offen formuliert und mit Deinen Mitteln beantwortbar. Meist beginnt sie mit Wie, Welche oder Inwiefern.
- Gliederung erstellenEine gute Gliederung folgt Deiner Forschungsfrage, nutzt meist die Nummerierung 1, 1.1, 1.1.1 und kommt mit höchstens drei Ebenen aus.
- LiteraturrechercheEine gute Literaturrecherche kombiniert Bibliothekskatalog, Fachdatenbanken und Schneeballprinzip, nutzt Suchoperatoren und prüft jede Quelle auf Qualität.
- Zeitmanagement im StudiumPlan jede Woche in 20 Minuten: feste Termine eintragen, Prioritäten setzen, Lernblöcke reservieren und Puffer lassen, auch mit Nebenjob.