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Lernplan erstellen: Rückwärts planen, Puffer einbauen, dranbleiben

Fachlich verantwortet von Prof. Dr. Alexander Holtermann · Stand 16.10.2026 · 4 Min. Lesezeit

Plane vom Prüfungstermin rückwärts, teile den Stoff in Blöcke, verteile Wiederholungen über mehrere Tage und halte 20 % der Zeit als Puffer frei.

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein guter Lernplan beginnt beim Prüfungstermin und rechnet rückwärts: Was muss wann fertig sein?
  • Plane in Lernblöcken mit konkreten Aufgaben („Kapitel 3: 15 Karteikarten, 4 Übungsaufgaben“) statt in vagen Zeitfenstern („Statistik lernen“).
  • Halte etwa 20 % der Zeit als Puffer frei. Pläne ohne Puffer scheitern am ersten Krankheitstag.
  • Wechsle zwischen Fächern und plane Wiederholungen nach 1, 3 und 7 Tagen fest ein.
  • Prüfe den Plan einmal pro Woche und passe ihn an. Ein Lernplan ist ein Werkzeug, kein Vertrag.

Warum ein Lernplan hilft

Ohne Plan entscheidest Du jeden Morgen neu, was Du lernst. Das kostet Energie und führt dazu, dass angenehme Fächer zu viel und unangenehme zu wenig Zeit bekommen. Ein Lernplan nimmt Dir diese Entscheidungen ab. Er zeigt außerdem früh, ob die Zeit überhaupt reicht, und macht Fortschritt sichtbar.

Dazu kommt ein psychologischer Effekt: Konkrete Pläne mit festem Ort und fester Zeit erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass Du ein Vorhaben tatsächlich beginnst. Gollwitzer (1999) nennt solche Pläne Implementierungsintentionen. Ein Lernplan ist im Kern eine Sammlung davon.

Schritt 1: Bestandsaufnahme

Bevor Du planst, sammelst Du alle Fakten. Trag alle Prüfungstermine in eine Liste ein und notiere für jedes Fach den Umfang (Kapitel, Vorlesungen, Übungsblätter), die ECTS-Punkte und Deinen aktuellen Stand.

Dann schätzt Du, wie viele Stunden Du pro Fach brauchst. Als Orientierung: Ein ECTS-Punkt entspricht 25 bis 30 Stunden Arbeitsaufwand im ganzen Semester. Für die reine Prüfungsvorbereitung rechnen viele mit 6 bis 10 Stunden pro ECTS-Punkt, je nachdem, wie viel Du im Semester schon getan hast.

Zuletzt prüfst Du Deine verfügbare Zeit. Zieh feste Termine ab: Nebenjob, Pflichtveranstaltungen, Familie, Sport. Was übrig bleibt, ist Deine echte Lernzeit.

  • Prüfungstermine und Prüfungsform (Klausur, mündlich, Hausarbeit)
  • Stoffumfang je Fach in zählbaren Einheiten
  • geschätzte Stunden je Fach
  • verfügbare Stunden pro Woche nach Abzug fester Termine

Schritt 2: Rückwärtsplanung vom Prüfungstermin

Bei der Rückwärtsplanung startest Du am Prüfungstag und gehst zurück. Lege zuerst fest, was in den letzten Tagen passiert (Wiederholung, Probeklausur, Ruhe). Davor kommt die Übungsphase mit Altklausuren. Ganz am Anfang steht das Erarbeiten des Stoffs. So erkennst Du sofort, bis wann jedes Kapitel sitzen muss.

Der Vorteil gegenüber Vorwärtsplanung: Du siehst die Deadline jedes Zwischenschritts. Wenn Kapitel 4 bis Mittwoch fertig sein muss, damit Du ab Donnerstag Altklausuren rechnen kannst, ist das ein greifbares Ziel.

Schritt 3: Lernblöcke, Puffer und Wiederholungen eintragen

Jetzt verteilst Du den Stoff auf konkrete Lernblöcke von 60 bis 120 Minuten. Jeder Block bekommt eine Aufgabe, die man abhaken kann. „Statistik lernen“ ist keine Aufgabe. „Kapitel 5 Regression: Zusammenfassung schreiben und 3 Aufgaben aus Blatt 7 rechnen“ ist eine.

Plane für jeden Tag höchstens so viel, wie Du an einem normalen Tag schaffst, nicht an einem perfekten. Lass einen halben Tag pro Woche komplett frei. Dieser Puffer fängt Krankheit, Überstunden im Nebenjob oder ein Kapitel ab, das länger dauert als gedacht. Wird er nicht gebraucht, nutzt Du ihn für zusätzliche Wiederholung oder Erholung.

Wiederholungen planst Du gleich mit ein. Nach dem Prinzip der verteilten Wiederholung siehst Du jeden Stoff nach etwa einem Tag, drei Tagen und einer Woche wieder. Diese kurzen Wiederholungen dauern je 15 bis 30 Minuten.

Beispiel: Lernplan für drei Klausuren in vier Wochen

Die Tabelle zeigt eine typische Woche aus der Erarbeitungsphase für drei Fächer. Morgens liegen die anspruchsvollen Aufgaben, nachmittags Übung und Wiederholung. Die Fächer wechseln sich ab, damit Du gemischt übst und nichts lange liegen bleibt.

Tag9–11 Uhr11:30–13 Uhr14–15:30 Uhr16–16:30 Uhr
MontagStatistik Kap. 4 erarbeitenRecht Fall 1 lösenMarketing Kap. 2Karteikarten Wiederholung
DienstagRecht Kap. 3 erarbeitenStatistik Aufgaben Kap. 4Nebenjob—
MittwochMarketing Kap. 3 erarbeitenStatistik Kap. 5Recht Fall 2 lösenKarteikarten Wiederholung
DonnerstagStatistik Aufgaben Kap. 5Marketing Fragen schreibenNebenjob—
FreitagRecht Kap. 4 erarbeitenGemischte Wiederholung aller FächerLerngruppe StatistikWochenrückblick
SamstagPufferPufferfreifrei
SonntagfreifreiWochenplan prüfen—

Den Plan durchhalten und anpassen

Der beste Plan nützt nichts, wenn Du ihn nach drei Tagen aufgibst. Plane deshalb einen festen Wochenrückblick ein, etwa freitags 20 Minuten. Du prüfst: Was ist erledigt? Was nicht, und warum? Was verschiebe ich, was streiche ich?

Rückstände verschiebst Du in den Puffer, nicht auf später Abende. Reicht der Puffer nicht, priorisierst Du: Welche Themen bringen in der Klausur die meisten Punkte? Die bleiben im Plan. Randthemen werden gekürzt.

Halte den Plan sichtbar, ob auf Papier an der Wand oder in einer Kalender-App. Hake erledigte Blöcke ab. Das sichtbare Vorankommen motiviert stärker, als man denkt.

  • Plane realistisch: lieber 4 erledigte Blöcke als 7 geplante und 3 geschaffte
  • Leg schwere Aufgaben in Deine beste Tageszeit
  • Verknüpfe Lernblöcke mit festen Orten, etwa Bibliothek am Vormittag
  • Plane Pausen und freie Abende bewusst ein

Häufige Fragen

Wie erstelle ich einen Lernplan für die Klausurphase?

Sammle alle Prüfungstermine, schätze den Aufwand je Fach, plane vom Prüfungstag rückwärts, verteile konkrete Lernblöcke auf die Tage und halte etwa 20 % Puffer frei.

Wie viele Stunden pro Tag sollte im Lernplan stehen?

Vier bis sechs Stunden konzentrierte Lernzeit sind für die meisten realistisch. Mehr geplante Stunden führen oft zu Frust, weil sie nicht geschafft werden.

Sollte ich Fächer nacheinander oder parallel lernen?

Parallel. Wenn Du ein Fach abschließt und das nächste beginnst, vergisst Du das erste bis zur Prüfung. Wechsel zwischen den Fächern und wiederhole regelmäßig.

Was mache ich, wenn ich hinter meinem Lernplan zurückliege?

Nutze zuerst den Puffer. Reicht der nicht, kürze Randthemen und konzentriere Dich auf das, was in der Klausur die meisten Punkte bringt.

Papier oder App für den Lernplan?

Beides funktioniert. Wichtig ist, dass der Plan sichtbar ist und Du ihn wöchentlich anpasst. Eine Kalender-App hilft bei Terminen, Papier oft beim Überblick.

Quellen und weiterführende Literatur

  • Cepeda, N. J., Pashler, H., Vul, E., Wixted, J. T., & Rohrer, D. (2006). Distributed practice in verbal recall tasks: A review and quantitative synthesis. Psychological Bulletin, 132(3), 354–380.
  • Gollwitzer, P. M. (1999). Implementation intentions: Strong effects of simple plans. American Psychologist, 54(7), 493–503.
  • Dunlosky, J., Rawson, K. A., Marsh, E. J., Nathan, M. J., & Willingham, D. T. (2013). Improving students’ learning with effective learning techniques. Psychological Science in the Public Interest, 14(1), 4–58.

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