LaTeX oder Word? Die richtige Wahl für Deine Abschlussarbeit
Fachlich verantwortet von Prof. Dr. Alexander Holtermann · Stand 16.10.2026 · 4 Min. Lesezeit
LaTeX (z. B. mit Overleaf) lohnt sich bei vielen Formeln und langen Arbeiten. Word reicht für die meisten Arbeiten, wenn Du Formatvorlagen konsequent nutzt.
Das Wichtigste in Kürze
- Word und andere Textverarbeitungen zeigen das Ergebnis sofort (was Du siehst, ist was Du bekommst). LaTeX ist ein Satzsystem: Du schreibst Text mit Befehlen, das Programm setzt daraus ein PDF.
- LaTeX ist stark bei Formeln, Querverweisen, Literaturverzeichnissen mit BibTeX oder BibLaTeX und einheitlichem Layout langer Dokumente. In Mathematik, Physik und Informatik ist es Standard.
- Word ist schneller erlernt, wird von Betreuern für Kommentare bevorzugt und genügt für die meisten Arbeiten in Geistes-, Sozial- und Wirtschaftswissenschaften.
- Overleaf ist ein LaTeX-Editor im Browser mit gemeinsamer Bearbeitung, ohne Installation. Lokal arbeitest Du mit einer TeX-Distribution und einem Editor wie TeXstudio.
- Frag zuerst nach der Vorlage Deiner Hochschule. Gibt es nur eine Word-Vorlage oder nur eine LaTeX-Vorlage, ist die Entscheidung oft schon gefallen.
Was ist der Unterschied?
Word (und ebenso LibreOffice Writer oder Google Docs) ist eine Textverarbeitung: Du schreibst und formatierst direkt auf der Seite. Was Du siehst, wird gedruckt. Das ist intuitiv, verführt aber zu manueller Formatierung, die in langen Dokumenten schnell durcheinandergerät.
LaTeX ist ein Textsatzsystem. Du schreibst eine Textdatei mit Auszeichnungen, etwa \section{Methode} für eine Überschrift oder \cite{mayring2022} für einen Beleg, und lässt daraus ein PDF erzeugen. Das Layout bestimmt eine Dokumentklasse, nicht Du von Hand. Im deutschsprachigen Raum sind die Klassen von KOMA-Script verbreitet, die an deutsche Satzkonventionen angepasst sind.
Beide Wege führen zu einer sauberen Abschlussarbeit. Der Unterschied liegt im Arbeitsstil und darin, was Deine Arbeit enthält.
Vor- und Nachteile im Vergleich
Die Tabelle stellt die beiden Wege gegenüber. Die Übersicht gilt für Word, trifft aber weitgehend auch auf andere Textverarbeitungen zu.
| Kriterium | Word | LaTeX |
|---|---|---|
| Einstieg | sofort, bekannt | Einarbeitung von einigen Tagen |
| Formeln | Formeleditor, für einfache Formeln gut | hervorragend, Standard in Mathematik und Physik |
| lange Dokumente | stabil mit Formatvorlagen, sonst fehleranfällig | sehr stabil, einheitliches Layout |
| Querverweise und Verzeichnisse | automatisch mit Beschriftungen und Querverweisen | automatisch, sehr zuverlässig |
| Literaturverzeichnis | mit Citavi, Zotero, EndNote, Mendeley | mit BibTeX oder BibLaTeX, z. B. aus JabRef oder Zotero |
| Kommentare der Betreuung | Kommentare und Änderungen nachverfolgen | meist am PDF oder in Overleaf |
| Zusammenarbeit | gleichzeitig über Cloud-Version | Overleaf oder Versionsverwaltung |
| Tabellen | einfach per Maus | aufwendiger, Hilfspakete erleichtern es |
| Typografie | gut, wenn sauber eingestellt | sehr gut von Haus aus |
Wann LaTeX sich lohnt
LaTeX lohnt sich, wenn mindestens einer dieser Punkte zutrifft. Je mehr zutreffen, desto klarer der Vorteil.
- Deine Arbeit enthält viele mathematische Formeln, Beweise oder Algorithmen.
- Deine Arbeit wird lang (Masterarbeit, Dissertation) und hat viele Abbildungen, Tabellen und Querverweise.
- Dein Fach (Mathematik, Physik, Informatik, Teile der Ingenieurwissenschaften) arbeitet standardmäßig mit LaTeX, und Deine Betreuung erwartet es.
- Deine Hochschule oder Dein Lehrstuhl stellt eine LaTeX-Vorlage bereit.
- Du hast schon Grundkenntnisse oder willst sie für die weitere Forschung erwerben.
Wann Word die bessere Wahl ist
Für die meisten Hausarbeiten und viele Abschlussarbeiten in Geistes-, Sozial-, Erziehungs- und Wirtschaftswissenschaften ist Word völlig ausreichend, oft sogar praktischer. Betreuer kommentieren gern direkt im Dokument, Formeln sind selten, und die Hochschulvorlage liegt meist als Word-Datei vor.
Entscheidend ist, dass Du Word richtig nutzt: Formatvorlagen für Überschriften und Fließtext, automatisches Inhaltsverzeichnis, Beschriftungen für Abbildungen und Tabellen, Querverweise statt getippter Nummern, Abschnittsumbrüche für unterschiedliche Seitenzahlen (römisch für Verzeichnisse, arabisch ab der Einleitung). Wer das von Anfang an beachtet, hat am Ende keine Formatierungskrise.
Overleaf, lokale Installation und Vorlagen
Overleaf ist ein LaTeX-Editor im Browser. Du musst nichts installieren, siehst Quelltext und PDF nebeneinander und kannst mit anderen gleichzeitig schreiben. Es gibt einen kostenlosen Zugang mit Einschränkungen; manche Hochschulen haben erweiterte Lizenzen. Für die lokale Arbeit installierst Du eine TeX-Distribution (z. B. TeX Live, MiKTeX oder MacTeX) und einen Editor wie TeXstudio.
Vorlagen sind der wichtigste Startpunkt. Viele Hochschulen, Fakultäten und Lehrstühle stellen Vorlagen für Word oder LaTeX bereit, die Ränder, Schrift, Deckblatt und Verzeichnisse festlegen. Frag im Prüfungsamt, auf der Seite Deines Instituts oder bei Deiner Betreuung. Die kostenlosen Vorlagen von Professor Digital geben Dir eine Gliederung für Hausarbeit und Abschlussarbeit, der Umfangsrechner hilft beim Planen der Seitenzahlen pro Kapitel.
Neben LaTeX gibt es neuere Satzsysteme wie Typst, die einfacher zu lernen sind. Prüf vorher, ob Deine Hochschule dafür Vorlagen hat.
Häufige Fehler
Ob Word oder LaTeX, diese Fehler kosten am Ende der Bearbeitungszeit am meisten Nerven:
- LaTeX kurz vor der Abgabe lernen wollen: Steig nur um, wenn Du mindestens einige Wochen Puffer hast.
- In Word Überschriften von Hand fett formatieren statt Formatvorlagen zu nutzen; das Inhaltsverzeichnis funktioniert dann nicht.
- Nummern von Abbildungen und Tabellen tippen statt Beschriftungen und Querverweise zu nutzen.
- Die Vorlage der Hochschule ignorieren und eigene Ränder und Schriften wählen.
- Keine Sicherungskopien: Speichere Versionen, nutze Cloud-Speicher oder eine Versionsverwaltung.
Häufige Fragen
Soll ich meine Bachelorarbeit in LaTeX oder Word schreiben?
Mit vielen Formeln oder in Mathematik, Physik und Informatik eher LaTeX. Sonst reicht Word, wenn Du Formatvorlagen, Beschriftungen und Querverweise konsequent nutzt. Die Vorlage Deiner Hochschule gibt oft den Ausschlag.
Ist Overleaf kostenlos?
Es gibt einen kostenlosen Zugang mit Einschränkungen, etwa bei der Zahl der Personen, die mitschreiben, und bei der Kompilierzeit. Manche Hochschulen bieten erweiterte Zugänge. Prüf die aktuellen Bedingungen beim Anbieter.
Wie lange dauert es, LaTeX zu lernen?
Für eine Abschlussarbeit mit Vorlage reichen oft einige Tage Einarbeitung. Für eigene Layouts, komplexe Tabellen oder Grafiken brauchst Du länger.
Welche Literaturverwaltung passt zu LaTeX?
JabRef arbeitet direkt mit BibTeX-Dateien. Zotero kann mit einer Erweiterung eine BibTeX-Datei automatisch aktuell halten. Citavi und EndNote können ebenfalls nach BibTeX exportieren.
Quellen und weiterführende Literatur
- Kohm, M. KOMA-Script. Die Anleitung. Dokumentation des Pakets, aktuelle Fassung.
- Kornmeier, M. Wissenschaftlich schreiben leicht gemacht. Für Bachelor, Master und Dissertation. Haupt (UTB), aktuelle Auflage.
- Dokumentationen der Hersteller und Projekte (Microsoft Word, Overleaf, TeX Live), jeweils aktuelle Fassung.
Was an Deiner Hochschule gilt, steht in Prüfungsordnung und Leitfaden Deines Fachs — die haben immer Vorrang.
Passt dazu
- Aufbau BachelorarbeitEine Bachelorarbeit gliedert sich in Einleitung, Theorie, Methode, Ergebnisse, Diskussion und Fazit. Der Hauptteil macht rund 80 % des Textes aus.
- Abbildungen und TabellenAbbildungen und Tabellen brauchen eine Nummer, einen aussagekräftigen Titel und eine Quellenangabe. Im Text verweist Du vor der Darstellung darauf.
- Literaturverwaltung im VergleichCitavi ist an deutschen Hochschulen verbreitet (Windows, Wissensorganisation), Zotero kostenlos auf allen Systemen. Weitere: EndNote, Mendeley, JabRef.
- Gliederung erstellenEine gute Gliederung folgt Deiner Forschungsfrage, nutzt meist die Nummerierung 1, 1.1, 1.1.1 und kommt mit höchstens drei Ebenen aus.
- Masterarbeit schreibenEine Masterarbeit ist länger, eigenständiger und methodisch anspruchsvoller als eine Bachelorarbeit. Plane 4 bis 6 Monate und einen eigenen Beitrag.