Direktes und indirektes Zitat, Paraphrase und Sekundärzitat
Fachlich verantwortet von Prof. Dr. Alexander Holtermann · Stand 16.10.2026 · 4 Min. Lesezeit
Ein direktes Zitat übernimmt den Wortlaut in Anführungszeichen, ein indirektes gibt den Inhalt in eigenen Worten wieder. Beide brauchen einen Beleg.
Das Wichtigste in Kürze
- Direktes Zitat: wörtlich, in Anführungszeichen, immer mit Seitenangabe.
- Indirektes Zitat (Paraphrase): eigene Worte und eigener Satzbau, mit Beleg. In deutscher Zitierweise und Harvard oft mit „vgl.“.
- Änderungen im Zitat kennzeichnest Du: Auslassungen mit […], Ergänzungen in [eckigen Klammern], Fehler im Original mit [sic].
- Längere wörtliche Zitate (APA: ab 40 Wörtern, sonst oft ab drei Zeilen) stehen als eingerücktes Blockzitat ohne Anführungszeichen.
- Ein Sekundärzitat („zit. n.“) ist nur erlaubt, wenn das Original nicht zugänglich ist.
- In den meisten Fächern sollten Paraphrasen deutlich überwiegen. Direkte Zitate sind für Definitionen und prägnante Formulierungen gedacht.
Direktes und indirektes Zitat im Vergleich
Zitieren heißt, fremde Gedanken kenntlich zu machen. Ob Du wörtlich oder sinngemäß zitierst, hängt davon ab, ob der genaue Wortlaut wichtig ist. Eine Definition, ein Gesetzestext oder eine besonders prägnante Formulierung rechtfertigen ein direktes Zitat. In allen anderen Fällen ist die Paraphrase besser, weil sie zeigt, dass Du den Inhalt verstanden hast und ihn in Deine Argumentation einbaust.
Welche Form der Beleg genau hat, regelt Dein Zitierstil. Maßgeblich ist der Leitfaden oder die Prüfungsordnung Deiner Hochschule. Lad ihn in Professor Digital hoch, dann richtet sich alles danach.
| Merkmal | direktes Zitat | indirektes Zitat (Paraphrase) |
|---|---|---|
| Wortlaut | exakt wie im Original | eigene Worte und eigener Satzbau |
| Kennzeichnung | Anführungszeichen oder Blockzitat | keine Anführungszeichen |
| Seitenangabe | immer | empfohlen, oft verlangt |
| „vgl.“ | nie | je nach Stil (deutsch, Harvard: ja; APA: nein) |
| wann sinnvoll | Definitionen, prägnante Aussagen, Analyse von Texten | Befunde, Positionen, Zusammenfassungen |
Regeln für direkte Zitate
Ein direktes Zitat muss buchstabengetreu sein, einschließlich Rechtschreibung, Hervorhebungen und Satzzeichen. Jede Änderung machst Du sichtbar. Das Zitat muss außerdem grammatisch in Deinen Satz passen. Passt es nicht, kürze es oder paraphrasiere.
| Änderung | Kennzeichnung | Beispiel |
|---|---|---|
| Auslassung | […] | „Lernen ist […] ein aktiver Prozess“ |
| Ergänzung oder Anpassung | [ ] | „Sie [die Studenten] berichten von Stress“ |
| Fehler im Original | [sic] | „Die Studie wurde 1899 [sic] veröffentlicht“ |
| eigene Hervorhebung | [Hervorh. d. Verf.] | „ein *aktiver* Prozess“ [Hervorh. d. Verf.] |
| Zitat im Zitat | halbe Anführungszeichen | „Er nennt das ‚stille Lernen‘ zentral“ |
| fremdsprachiges Zitat | Original, ggf. Übersetzung mit Hinweis | [Übers. d. Verf.] |
Blockzitate
Lange wörtliche Zitate setzt Du als Blockzitat ab: eigener Absatz, links eingerückt, oft mit kleinerer Schrift oder einfachem Zeilenabstand, ohne Anführungszeichen. Nach APA beginnt ein Blockzitat ab 40 Wörtern, in vielen deutschen Leitfäden ab etwa drei Zeilen. Blockzitate solltest Du sparsam einsetzen. Mehr als zwei oder drei pro Kapitel wirken, als fehle Dir die eigene Auseinandersetzung.
Gut paraphrasieren: so geht es
Eine Paraphrase ist mehr als ein Zitat mit ausgetauschten Wörtern. Wer nur Synonyme einsetzt und den Satzbau behält, begeht ein Verschleierungsplagiat, auch mit Beleg. Gute Paraphrasen entstehen, wenn Du den Inhalt zuerst verstehst und ihn dann ohne Blick ins Original neu formulierst.
- Lies den Abschnitt, bis Du ihn in einem Satz erklären kannst.
- Leg das Original weg und schreib den Gedanken in Deinen eigenen Worten auf.
- Vergleiche danach: Weicht Dein Satzbau deutlich ab? Fehlt etwas Wesentliches?
- Fachbegriffe darfst Du übernehmen, sie sind kein Plagiat.
- Setz den Beleg direkt zur Paraphrase, nicht erst ans Ende eines langen Absatzes.
Sekundärzitat: „zit. n.“ und „zitiert nach“
Ein Sekundärzitat liegt vor, wenn Du eine Quelle zitierst, die Du nicht selbst gelesen hast, sondern nur aus einer anderen Quelle kennst. Wissenschaftlich korrekt ist es, das Original zu beschaffen. Nur wenn das nicht möglich ist, etwa bei vergriffenen oder schwer zugänglichen Werken, darfst Du ein Sekundärzitat verwenden und musst es kennzeichnen.
| Stil | Beleg | ins Literaturverzeichnis |
|---|---|---|
| APA (deutsche Fassung) | (Freud, 1900, zitiert nach Müller, 2021, S. 33) | nur Müller (2021) |
| Harvard | (Freud 1900, zit. n. Müller 2021: 33) | je nach Leitfaden beide oder nur Müller |
| deutsche Zitierweise | Freud (1900), zit. n. Müller (2021), S. 33. | meist beide |
Wie viel darf ich wörtlich zitieren?
Eine feste Obergrenze gibt es nicht. Als Faustregel sollten direkte Zitate in den meisten Fächern deutlich unter 10 % Deines Textes ausmachen. In Literatur- und Geschichtswissenschaft, wo Texte selbst Gegenstand der Analyse sind, darf der Anteil höher sein. Gutachter achten weniger auf die Zahl als darauf, ob jedes Zitat eine Funktion hat und Du es einordnest. Ein Zitat ohne Kommentar ist ein verschenkter Absatz.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen direktem und indirektem Zitat?
Das direkte Zitat übernimmt den Wortlaut in Anführungszeichen. Das indirekte Zitat gibt den Inhalt in eigenen Worten wieder. Beide müssen belegt werden.
Muss ich bei einer Paraphrase die Seite angeben?
In der deutschen Zitierweise und bei Harvard fast immer. APA empfiehlt die Seite, wenn sie dem Leser hilft. Viele Hochschulen verlangen sie generell.
Was bedeutet „zit. n.“?
„Zitiert nach“. Damit kennzeichnest Du ein Sekundärzitat, also eine Quelle, die Du nur aus einer anderen Quelle kennst.
Wie kennzeichne ich Auslassungen in einem Zitat?
Mit drei Punkten in eckigen Klammern […]. APA verwendet drei Punkte ohne Klammern. Der Sinn des Zitats darf durch die Auslassung nicht verändert werden.
Ist eine Paraphrase ohne Beleg ein Plagiat?
Ja. Auch sinngemäß übernommene Gedanken musst Du belegen. Ohne Beleg gibst Du fremde Ideen als eigene aus.
Quellen und weiterführende Literatur
- American Psychological Association. (2020). Publication Manual of the American Psychological Association (7th ed.). APA.
- Deutsche Gesellschaft für Psychologie. (2019). Richtlinien zur Manuskriptgestaltung (5. Aufl.). Hogrefe.
- Karmasin, M., & Ribing, R. Die Gestaltung wissenschaftlicher Arbeiten. UTB (facultas), aktuelle Auflage.
Was an Deiner Hochschule gilt, steht in Prüfungsordnung und Leitfaden Deines Fachs — die haben immer Vorrang.
Passt dazu
- Plagiat vermeidenEin Plagiat ist die Übernahme fremder Texte oder Ideen ohne Beleg. Du vermeidest es durch sauberes Exzerpieren, Belegen und echtes Paraphrasieren.
- Zitieren nach APA 7APA 7 belegt im Text mit Autor und Jahr, etwa (Müller, 2021, S. 12). Im Literaturverzeichnis stehen alle Quellen alphabetisch mit hängendem Einzug.
- Deutsche ZitierweiseBei der deutschen Zitierweise belegst Du in Fußnoten: erst vollständig oder kurz, danach kurz. Für dieselbe Quelle direkt davor steht „ebd.“.
- Harvard-ZitierweiseBei der Harvard-Zitierweise steht der Beleg als Kurzform im Text, etwa (Müller 2021: 45). Die vollständige Angabe folgt im Literaturverzeichnis.
- Wissenschaftlicher SchreibstilWissenschaftlich schreiben heißt präzise, sachlich, belegt und verständlich schreiben. Kurze Sätze und klare Begriffe schlagen verschachtelten Fachjargon.