Plagiat vermeiden: Arten, Prüfung durch Hochschulen und Folgen
Fachlich verantwortet von Prof. Dr. Alexander Holtermann · Stand 16.10.2026 · 4 Min. Lesezeit
Ein Plagiat ist die Übernahme fremder Texte oder Ideen ohne Beleg. Du vermeidest es durch sauberes Exzerpieren, Belegen und echtes Paraphrasieren.
Das Wichtigste in Kürze
- Plagiat ist nicht nur das wörtliche Abschreiben: Auch Paraphrasen ohne Beleg, Übersetzungen, Ideen und die Wiederverwendung eigener Arbeiten können Plagiate sein.
- Hochschulen prüfen Arbeiten zunehmend mit Plagiatssoftware. Diese zeigt Übereinstimmungen mit Webseiten, Veröffentlichungen und früher eingereichten Arbeiten.
- Ein Übereinstimmungswert ist kein Plagiatsnachweis. Entscheidend ist, ob übernommene Stellen korrekt gekennzeichnet sind.
- Folgen reichen von der Note „nicht ausreichend“ (5,0) über den Ausschluss von weiteren Prüfungen bis zur Exmatrikulation. In Nordrhein-Westfalen kann eine Täuschung zusätzlich mit bis zu 50.000 Euro Bußgeld geahndet werden.
- Ein akademischer Grad kann auch Jahre später aberkannt werden, wenn ein Plagiat in der Abschlussarbeit entdeckt wird.
Was ist ein Plagiat?
Ein Plagiat liegt vor, wenn Du fremdes geistiges Eigentum als eigenes ausgibst, also Formulierungen, Gedanken, Daten oder Abbildungen übernimmst, ohne die Quelle anzugeben. Ob das absichtlich oder aus Nachlässigkeit geschieht, spielt für die Feststellung zunächst keine Rolle. Für die Höhe der Sanktion ist Vorsatz aber oft entscheidend.
Grundlage ist das Prinzip guter wissenschaftlicher Praxis: Wissenschaft lebt davon, dass nachvollziehbar ist, wer welchen Beitrag geleistet hat. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft hat diese Regeln in ihrem Kodex festgehalten, und alle Hochschulen haben eigene Satzungen dazu.
Arten von Plagiaten
Plagiate haben viele Formen. Einige sind offensichtlich, andere entstehen leicht aus Unachtsamkeit beim Exzerpieren.
| Art | Beschreibung | Beispiel |
|---|---|---|
| Vollplagiat | ganze fremde Arbeit als eigene eingereicht | gekaufte oder kopierte Hausarbeit |
| Copy-and-Paste | Textpassagen wörtlich ohne Anführungszeichen und Beleg | Absatz aus einem Fachaufsatz |
| Verschleierung | fremder Text mit ausgetauschten Wörtern, gleicher Struktur, ohne Beleg | Synonyme statt echter Paraphrase |
| Bauernopfer | Quelle nur für einen kleinen Teil genannt, tatsächlich viel mehr übernommen | eine Fußnote für zwei Seiten fremden Text |
| Übersetzungsplagiat | fremdsprachiger Text übersetzt ohne Beleg | englischer Aufsatz ins Deutsche übertragen |
| Ideenplagiat | Gedanken, Argumentationen oder Modelle ohne Beleg | fremde Typologie als eigene ausgegeben |
| Strukturplagiat | Gliederung und Argumentationsaufbau übernommen | Kapitelstruktur eines Buchs kopiert |
| Selbstplagiat | eigene frühere Arbeit ohne Hinweis erneut eingereicht | Teile der Hausarbeit in der Bachelorarbeit |
Wie Hochschulen auf Plagiate prüfen
Viele Hochschulen setzen Plagiatssoftware ein, verbreitet sind etwa Turnitin, Ouriginal, Docoloc oder PlagAware. Die Software vergleicht Deinen Text mit frei zugänglichen Webseiten, lizenzierten Verlagsdatenbanken und früher eingereichten Arbeiten und markiert übereinstimmende Passagen. Das Ergebnis ist ein Bericht mit einem Übereinstimmungswert in Prozent.
Wichtig: Der Wert sagt nichts darüber, ob ein Plagiat vorliegt. Korrekt zitierte Stellen, Literaturangaben und Fachbegriffe erzeugen ebenfalls Übereinstimmungen. Gutachter sehen sich deshalb jede markierte Stelle an. Ein Text mit 15 % Übereinstimmung kann einwandfrei sein, ein Text mit 3 % kann ein Plagiat enthalten. Eine allgemein gültige Grenze gibt es nicht.
Daneben fallen Plagiate oft ohne Software auf: durch Stilbrüche, Fachbegriffe, die sonst nicht vorkommen, oder Quellen, die der Betreuer kennt. Software zur Erkennung von KI-Texten gilt als unzuverlässig und ist allein kein Beweis.
So vermeidest Du Plagiate
Die meisten unbeabsichtigten Plagiate entstehen nicht beim Schreiben, sondern beim Lesen und Exzerpieren, wenn wörtliche Notizen später als eigene Gedanken erscheinen. Eine saubere Arbeitsweise schützt Dich zuverlässig.
- Markiere in Notizen wörtliche Übernahmen immer mit Anführungszeichen und Seitenzahl.
- Notiere zu jeder Notiz sofort die Quelle, am besten in einer Literaturverwaltung.
- Paraphrasiere mit geschlossenem Buch und vergleiche danach mit dem Original.
- Belege jeden fremden Gedanken direkt an der Stelle, nicht nur einmal am Absatzende.
- Kennzeichne bei längeren Passagen, die auf einer Quelle beruhen, den Umfang deutlich, etwa: „Die folgende Darstellung folgt Müller (2021, S. 12–18).“
- Frag Deinen Betreuer, bevor Du Teile früherer eigener Arbeiten wiederverwendest.
- Kopiere keine Textstücke als Platzhalter in Deinen Entwurf. Solche Platzhalter werden leicht vergessen.
Selbstplagiat: Darf ich eigene Texte wiederverwenden?
Viele Studenten sind überrascht, dass auch die Wiederverwendung eigener Texte problematisch sein kann. Jede Prüfungsleistung muss eigens für diese Prüfung erbracht werden. Reichst Du Teile einer bereits bewerteten Hausarbeit erneut ein, ohne das offenzulegen, kann das als Täuschung gewertet werden.
Erlaubt ist in der Regel, eine frühere Arbeit als Quelle zu zitieren oder mit ausdrücklicher Zustimmung des Prüfers darauf aufzubauen. Besonders häufig ist der Fall, dass eine Seminararbeit zum Thema der Bachelorarbeit wird. Sprich das früh offen an und kennzeichne übernommene Passagen.
Folgen eines Plagiats
Die Folgen regeln Prüfungsordnungen und Landeshochschulgesetze, deshalb unterscheiden sie sich je nach Hochschule und Bundesland. Grundsätzlich wird ein Plagiat als Täuschungsversuch gewertet. Maßgeblich ist der Leitfaden oder die Prüfungsordnung Deiner Hochschule. Lad ihn in Professor Digital hoch, dann richtet sich alles danach.
| Schwere | mögliche Folge |
|---|---|
| einzelne fehlende Belege, erkennbar unabsichtlich | Notenabzug, Nachbesserung in Ausnahmefällen |
| Täuschungsversuch | Prüfung gilt als „nicht ausreichend“ (5,0) |
| schwerer oder wiederholter Fall | Ausschluss von weiteren Prüfungen, endgültiges Nichtbestehen, Exmatrikulation |
| zusätzlich je nach Landesrecht | Bußgeld, in Nordrhein-Westfalen bis zu 50.000 Euro |
| nach dem Abschluss entdeckt | Aberkennung des akademischen Grads |
Häufige Fragen
Ab wie viel Prozent ist es ein Plagiat?
Es gibt keine Prozentgrenze. Plagiatssoftware zeigt Übereinstimmungen, auch korrekt zitierte. Ein Plagiat liegt vor, sobald eine fremde Stelle nicht gekennzeichnet ist, egal wie kurz sie ist.
Prüfen alle Hochschulen auf Plagiate?
Viele, aber nicht alle prüfen jede Arbeit automatisch. Manche prüfen stichprobenartig oder bei Verdacht. Du solltest immer davon ausgehen, dass Deine Arbeit geprüft wird.
Ist ein Selbstplagiat verboten?
Eine bereits bewertete eigene Arbeit ohne Hinweis erneut einzureichen gilt meist als Täuschung. Mit Kennzeichnung und Zustimmung des Prüfers ist die Wiederverwendung oft erlaubt.
Kann mir der Titel nachträglich aberkannt werden?
Ja. Wird ein schweres Plagiat in einer Abschlussarbeit später entdeckt, kann die Hochschule den akademischen Grad entziehen. Fristen dafür regelt das Landesrecht.
Ist es ein Plagiat, wenn ich vergessen habe, eine Quelle anzugeben?
Formal ja. Ob die Hochschule das als Täuschung wertet oder als handwerklichen Fehler mit Notenabzug, hängt vom Umfang und von den Umständen ab.
Quellen und weiterführende Literatur
- Deutsche Forschungsgemeinschaft. (2019). Leitlinien zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis. Kodex. DFG.
- Weber-Wulff, D. (2014). False Feathers. A Perspective on Academic Plagiarism. Springer.
- Karmasin, M., & Ribing, R. Die Gestaltung wissenschaftlicher Arbeiten. UTB (facultas), aktuelle Auflage.
Was an Deiner Hochschule gilt, steht in Prüfungsordnung und Leitfaden Deines Fachs — die haben immer Vorrang.
Passt dazu
- Direktes und indirektes ZitatEin direktes Zitat übernimmt den Wortlaut in Anführungszeichen, ein indirektes gibt den Inhalt in eigenen Worten wieder. Beide brauchen einen Beleg.
- KI im StudiumKI darfst Du im Studium nur so nutzen, wie Deine Hochschule es erlaubt. Kennzeichne jede Nutzung im Hilfsmittelverzeichnis und prüf alle Ergebnisse selbst.
- EigenständigkeitserklärungMit der Eigenständigkeitserklärung versicherst Du, dass Du die Arbeit selbst verfasst und alle Quellen und Hilfsmittel angegeben hast. Ohne sie keine Abgabe.
- Zitieren nach APA 7APA 7 belegt im Text mit Autor und Jahr, etwa (Müller, 2021, S. 12). Im Literaturverzeichnis stehen alle Quellen alphabetisch mit hängendem Einzug.
- LiteraturverzeichnisIns Literaturverzeichnis gehört jede zitierte Quelle, alphabetisch nach Nachnamen, vollständig und einheitlich im vorgeschriebenen Zitierstil.
- Plagiatsprüfung an der HochschuleHochschulen prüfen Arbeiten mit Software wie Turnitin, Ouriginal oder Docoloc. Der Ähnlichkeitsbericht zeigt Übereinstimmungen, die Prüfer dann bewerten.