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Mayring mit MAXQDA: qualitative Inhaltsanalyse Schritt für Schritt

Fachlich verantwortet von Prof. Dr. Alexander Holtermann · Stand 16.10.2026 · 5 Min. Lesezeit

In MAXQDA setzt Du Mayring so um: Kategorien als Codesystem, Definitionen und Ankerbeispiele in Code-Memos, codieren, zusammenfassen, auszählen.

Das Wichtigste in Kürze

  • MAXQDA bildet die Werkzeuge der Inhaltsanalyse nach Mayring gut ab: Das Codesystem ist Dein Kategoriensystem, Code-Memos sind Dein Codebuch.
  • Bei der deduktiven Kategorienanwendung legst Du die Kategorien vorher mit Definition, Ankerbeispiel und Kodierregel an und codierst dann das Material.
  • Bei der induktiven Kategorienbildung arbeitest Du Zeile für Zeile, legst neue Codes direkt am Text an und revidierst das System nach 10 bis 50 Prozent des Materials.
  • Für die zusammenfassende Inhaltsanalyse helfen Paraphrasen und Zusammenfassungsfunktionen: Du reduzierst codierte Stellen schrittweise auf das Abstraktionsniveau Deiner Kategorien.
  • Das Programm ersetzt die Methode nicht. Dokumentiere Ablaufmodell, Regeln und Revisionen im Methodenteil; Alternativen sind QCAmap, andere QDA-Programme oder Codieren von Professor Digital.

Was Du vor dem Start brauchst

Bevor Du MAXQDA öffnest, sollte die Methode stehen. Die qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring ist regelgeleitet: Du legst vorab fest, welche Technik Du nutzt (Zusammenfassung, Explikation oder Strukturierung), wie die Analyseeinheiten definiert sind und auf welchem Abstraktionsniveau Kategorien gebildet werden. Diese Entscheidungen trifft kein Programm für Dich.

Praktisch brauchst Du: fertige, anonymisierte Transkripte (am besten als Word- oder RTF-Datei mit Zeilen- oder Absatzstruktur), Deine Forschungsfrage, eine Entscheidung für induktives oder deduktives Vorgehen und eine Lizenz. Viele Hochschulen haben eine Campuslizenz; sonst gibt es Studentenlizenzen und eine Testversion. Prüf die aktuellen Bedingungen beim Hersteller.

Die Bezeichnungen der Menüs ändern sich zwischen Versionen leicht. Die Schritte unten beschreiben deshalb die Funktionen allgemein. Im Zweifel hilft das Handbuch des Herstellers.

Schritt 1: Projekt anlegen und Dokumente importieren

Lege ein neues Projekt an und importiere Deine Transkripte. Im Bereich der Dokumente kannst Du Dokumentgruppen bilden, etwa nach Befragtengruppe oder Erhebungswelle. Ordne jedem Dokument Merkmale zu, sogenannte Dokumentvariablen, zum Beispiel Alter, Studienfach oder Semester. Das brauchst Du später, wenn Du Kategorien zwischen Gruppen vergleichen willst.

Speichere das Projekt regelmäßig und lege Sicherungskopien an. Ein beschädigtes Projekt am Ende der Bearbeitungszeit ist ein Albtraum.

  • Dateiname = Kürzel des Interviews (z. B. B01, B02), damit Du im Ergebnisteil sauber zitieren kannst
  • Absätze oder Zeilen im Transkript beibehalten, sie dienen als Fundstelle
  • Dokumentvariablen früh anlegen, nicht erst bei der Auswertung

Schritt 2: Kategoriensystem als Codesystem anlegen

Das Codesystem in MAXQDA entspricht Deinem Kategoriensystem. Oberkategorien sind Codes der obersten Ebene, Unterkategorien sind Subcodes. Arbeitest Du deduktiv, legst Du alle Kategorien aus der Theorie vorab an. Arbeitest Du induktiv, beginnst Du mit einem leeren System und legst Codes während des Durchgangs an.

Der entscheidende Schritt für Mayring ist der Kodierleitfaden. In MAXQDA nutzt Du dafür die Code-Memos: Zu jedem Code schreibst Du die Definition, ein Ankerbeispiel und die Kodierregel zur Abgrenzung. Aus den Code-Memos lässt sich später ein Codebuch exportieren, das Du in den Anhang übernimmst.

Element nach MayringUmsetzung in MAXQDA
KategorieCode oder Subcode im Codesystem
DefinitionCode-Memo, erster Absatz
AnkerbeispielCode-Memo, Zitat mit Fundstelle
KodierregelCode-Memo, Abgrenzung zu Nachbarkategorien
KodierleitfadenExport des Codesystems mit Memos als Codebuch

Schritt 3: Material codieren

Lies das Transkript im Dokumentbrowser und markiere die Textstelle, die eine Kategorie erfüllt. Ziehe sie auf den passenden Code oder lege bei induktivem Vorgehen einen neuen Code an. Achte auf die vorab festgelegte Kodiereinheit (kleinster Textteil, der codiert werden darf) und Kontexteinheit (größter Textteil).

Bei der induktiven Kategorienbildung nach Mayring arbeitest Du das Material Zeile für Zeile durch. Passt eine Stelle zu einer bestehenden Kategorie, subsumierst Du sie; sonst formulierst Du eine neue Kategorie. Nach etwa 10 bis 50 Prozent des Materials überarbeitest Du das System: zusammenlegen, umbenennen, Definitionen schärfen. Verschiebst oder fusionierst Du Codes in MAXQDA, wandern die Codierungen mit.

Nutze Memos an Textstellen für Zweifelsfälle und Ideen. Diese Notizen sind später Gold wert, wenn Du im Methodenteil Revisionen begründest.

Schritt 4: Paraphrasieren und zusammenfassen

Die zusammenfassende Inhaltsanalyse nach Mayring reduziert Material in Schritten: paraphrasieren, auf das Abstraktionsniveau generalisieren, reduzieren. MAXQDA bietet dafür Funktionen zum Paraphrasieren von Textstellen und zum Zusammenfassen codierter Segmente je Dokument und Code. Du schreibst zu jeder codierten Stelle eine knappe Paraphrase, fasst diese pro Fall und Kategorie zusammen und erhältst eine Tabelle, die Fälle und Kategorien gegenüberstellt.

Diese Übersichten sind die Grundlage für den Ergebnisteil. Du siehst auf einen Blick, wie die Befragten sich zu einem Thema äußern, und kannst Fälle vergleichen. Exportiere sie als Tabelle für Deine Arbeitsdateien.

Schritt 5: Auswerten, prüfen und dokumentieren

Mit dem Abruf codierter Segmente holst Du alle Stellen einer Kategorie zusammen, auch gefiltert nach Dokumentgruppen. Matrixansichten zeigen, welche Kategorie in welchem Interview wie oft vorkommt. Mayring betont auch die quantitative Seite: Häufigkeiten dürfen berichtet werden, wenn sie zur Frage passen.

Für die Güte kannst Du die Intercoder-Übereinstimmung prüfen. MAXQDA kann die Codierungen zweier Personen vergleichen und einen Kappa-Wert berechnen. Lass dafür eine zweite Person einen Teil des Materials mit Deinem Codebuch codieren.

  • im Methodenteil: Programmname und Version, Ablaufmodell, Analyseeinheiten, Abstraktionsniveau, Revisionsschritte
  • im Anhang: Codebuch mit Definitionen, Ankerbeispielen und Kodierregeln, ggf. Häufigkeitstabelle
  • im Ergebnisteil: Kategorien beschreiben, mit Zitaten und Fundstelle (z. B. B04, Abs. 12) belegen

Alternativen zu MAXQDA für Mayring

Du brauchst MAXQDA nicht zwingend. QCAmap wurde von Mayring und Fenzl gezielt für die Ablaufmodelle der Methode entwickelt und läuft im Browser. ATLAS.ti und NVivo können dieselben Schritte, die Begriffe heißen dort anders (Zitate, Nodes bzw. Codes). Kostenlose Programme wie QualCoder oder Taguette genügen für einfache Kategoriensysteme. Codieren von Professor Digital ist kostenlos und legt jede Kategorie direkt mit Definition, Ankerbeispiel und Kodierregel an. Einen Überblick gibt der Vergleich der QDA-Programme.

Häufige Fragen

Kann man Mayring mit MAXQDA machen?

Ja. Das Codesystem bildet Dein Kategoriensystem ab, Code-Memos enthalten Definition, Ankerbeispiel und Kodierregel, und über Paraphrasen und Zusammenfassungen setzt Du die zusammenfassende Inhaltsanalyse um.

Wie lege ich einen Kodierleitfaden in MAXQDA an?

Schreib zu jedem Code ein Code-Memo mit Definition, Ankerbeispiel und Kodierregel. Das Codesystem mit Memos kannst Du anschließend als Codebuch exportieren und in den Anhang übernehmen.

Induktiv oder deduktiv in MAXQDA?

Beides geht. Deduktiv legst Du die Kategorien vorher an und codierst dann. Induktiv startest Du mit leerem Codesystem und legst Codes beim Lesen an; nach einem Teil des Materials überarbeitest Du das System.

Muss ich MAXQDA im Methodenteil erwähnen?

Ja, nenne Programm und Version, mit dem Du ausgewertet hast. Wichtiger ist aber die Beschreibung des methodischen Vorgehens nach Mayring: Technik, Einheiten, Regeln und Revisionen.

Gibt es eine kostenlose Mayring-Software?

QCAmap wurde für Mayring entwickelt und war bisher nach Registrierung kostenlos nutzbar; prüf die aktuellen Bedingungen. Kostenlos sind auch QualCoder, Taguette und Codieren von Professor Digital.

Quellen und weiterführende Literatur

  • Mayring, P. (2022). Qualitative Inhaltsanalyse. Grundlagen und Techniken (13. Aufl.). Beltz.
  • Rädiker, S., & Kuckartz, U. (2019). Analyse qualitativer Daten mit MAXQDA. Text, Audio und Video. Springer VS.
  • Kuckartz, U., & Rädiker, S. (2022). Qualitative Inhaltsanalyse. Methoden, Praxis, Computerunterstützung (5. Aufl.). Beltz Juventa.
  • Handbuch und Online-Dokumentation des Herstellers (MAXQDA), aktuelle Fassung.

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