QDA-Software im Vergleich: MAXQDA, ATLAS.ti, NVivo und Alternativen
Fachlich verantwortet von Prof. Dr. Alexander Holtermann · Stand 16.10.2026 · 6 Min. Lesezeit
MAXQDA, ATLAS.ti und NVivo sind die großen QDA-Programme. Für Mayring gibt es QCAmap, kostenlos sind QualCoder, Taguette und schlanke Online-Werkzeuge.
Das Wichtigste in Kürze
- MAXQDA, ATLAS.ti und NVivo sind die drei verbreitetsten kommerziellen Programme für die qualitative Datenanalyse. Alle drei können codieren, Memos verwalten, Stellen abrufen und Codierungen auszählen.
- MAXQDA ist im deutschsprachigen Raum besonders verbreitet und eng mit der Inhaltsanalyse nach Kuckartz verbunden; ATLAS.ti ist stark bei Netzwerkansichten, NVivo bei großen und gemischten Datenbeständen.
- QCAmap ist eine Web-Anwendung, die gezielt für die qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring entwickelt wurde. f4analyse ist ein schlankes Programm aus dem Umfeld der Transkriptionssoftware f4.
- Kostenlose Optionen sind die quelloffenen Programme QualCoder und Taguette sowie das Werkzeug Codieren von Professor Digital. Für eine Abschlussarbeit mit 8 bis 20 Interviews reichen sie oft aus.
- Preise und Lizenzmodelle ändern sich häufig. Prüf vor dem Kauf die Herstellerseite und frag in Deiner Hochschule nach einer Campuslizenz oder einem Rechnerraum mit installierter Software.
Welche QDA-Software gibt es?
QDA steht für Qualitative Data Analysis. Gemeint sind Programme, mit denen Du Interviews, Fokusgruppen, Dokumente oder offene Antworten codierst, also Textstellen Kategorien zuordnest, und diese Codierungen später wieder abrufst, vergleichst und auszählst. Was QDA-Software grundsätzlich kann und wann sie sich lohnt, erklärt der Artikel zur QDA-Software. Hier geht es um die konkreten Programme, nach denen Studenten am häufigsten suchen.
Im deutschsprachigen Raum begegnen Dir vor allem MAXQDA, ATLAS.ti und NVivo. Daneben gibt es spezialisierte Werkzeuge wie QCAmap für die Inhaltsanalyse nach Mayring und f4analyse sowie kostenlose, quelloffene Programme wie QualCoder und Taguette. Professor Digital bietet mit Codieren ein kostenloses Online-Werkzeug, das auf den Ablauf einer Inhaltsanalyse in Abschlussarbeiten zugeschnitten ist.
Wichtig vorab: Kein Programm wertet für Dich aus. Kategorien bilden, Stellen zuordnen und Ergebnisse deuten bleibt Deine Aufgabe. Die Software organisiert und dokumentiert.
Die großen Programme: MAXQDA, ATLAS.ti, NVivo
MAXQDA stammt von der VERBI GmbH aus Berlin und läuft unter Windows und macOS. Das Programm ist an deutschen Hochschulen weit verbreitet, die Oberfläche gibt es auf Deutsch. Typisch sind das Codesystem in der Seitenleiste, Code-Memos für Definitionen, Funktionen zum Zusammenfassen codierter Stellen und Matrixansichten, die zeigen, welche Kategorie in welchem Interview wie oft vorkommt. Das Lehrbuch von Rädiker und Kuckartz zeigt die Analyse Schritt für Schritt mit MAXQDA.
ATLAS.ti wird ebenfalls in Berlin entwickelt und ist für Windows, macOS und als Web-Version erhältlich. Codierte Stellen heißen dort Zitate (Quotations). Eine Stärke sind Netzwerkansichten, in denen Du Codes, Zitate und Memos grafisch miteinander verbindest. Das passt gut zur Grounded Theory, in der Beziehungen zwischen Kategorien im Mittelpunkt stehen.
NVivo gehört zum Anbieter Lumivero (früher QSR International) und läuft unter Windows und macOS. Das Programm ist im englischsprachigen Raum sehr verbreitet und stark bei großen Projekten, Fallmerkmalen (Cases) und Framework-Matrizen. Wenn Deine Betreuung international arbeitet oder Du an einem größeren Projekt mitarbeitest, triffst Du oft auf NVivo.
Alle drei Programme bieten heute zusätzlich KI-Funktionen, etwa Zusammenfassungen oder Codiervorschläge. Kläre vor der Nutzung, ob Deine Hochschule das erlaubt und wo die Daten verarbeitet werden.
Spezialisierte und schlanke Werkzeuge
QCAmap ist eine Web-Anwendung, die Philipp Mayring mit Thomas Fenzl entwickelt hat. Das Programm führt Dich durch die Schritte der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring, vor allem die induktive Kategorienbildung und die deduktive Kategorienanwendung. Du legst Forschungsfrage, Selektionskriterium und Abstraktionsniveau fest und arbeitest das Material dann Zeile für Zeile durch. Das passt genau zur Methode, ist aber weniger flexibel als die großen Programme.
f4analyse kommt aus dem Umfeld der Transkriptionsprogramme f4transkript und f5transkript. Das Programm ist bewusst schlicht gehalten: Texte laden, codieren, Memos schreiben, Stellen exportieren. Wer schon mit f4 transkribiert hat, findet sich schnell zurecht.
QualCoder ist quelloffen, kostenlos und läuft unter Windows, macOS und Linux. Es kann Text, Bilder, Audio und Video codieren und Berichte erstellen, wirkt aber weniger poliert. Taguette ist ebenfalls quelloffen und kostenlos, sehr einfach und vor allem für Textdokumente gedacht; Du kannst es lokal installieren oder im Browser nutzen.
Codieren von Professor Digital läuft im Browser und ist kostenlos. Du legst ein Kategoriensystem mit Definition, Ankerbeispiel und Kodierregel an, codierst Textstellen, schreibst Memos und exportierst Codebuch, Stellen und Matrix für den Anhang. Audio, Video und Netzwerkgrafiken gibt es dort nicht.
Vergleichstabelle: Funktionen, Systeme, Lizenzen
Die Tabelle gibt einen groben Überblick. Funktionen und Lizenzbedingungen ändern sich mit jeder neuen Version, deshalb nennen wir keine Preise. Prüf die aktuellen Angaben immer beim Hersteller.
| Programm | Betriebssysteme | Lizenzmodell (allgemein) | Stärken | Lernkurve |
|---|---|---|---|---|
| MAXQDA | Windows, macOS | kommerziell; Studentenlizenzen und Campuslizenzen verbreitet | deutsche Oberfläche, Codesystem, Zusammenfassungen, Matrizen, Mixed Methods | mittel |
| ATLAS.ti | Windows, macOS, Web | kommerziell; Studentenlizenzen und Campuslizenzen | Netzwerkansichten, Zitate als eigene Objekte, Grounded Theory | mittel |
| NVivo | Windows, macOS | kommerziell; Studentenlizenzen und Campuslizenzen | große Projekte, Fallmerkmale, Framework-Matrizen, international verbreitet | mittel bis hoch |
| QCAmap | Browser | Web-Anwendung, bisher kostenlos nach Registrierung (Bedingungen prüfen) | führt durch die Schritte nach Mayring | niedrig, aber methodisch festgelegt |
| f4analyse | Windows, macOS | kommerziell, Studentenlizenzen | schlicht, gut mit f4-Transkripten | niedrig |
| QualCoder | Windows, macOS, Linux | quelloffen, kostenlos | Text, Bild, Audio, Video; Berichte | mittel |
| Taguette | Browser oder lokal | quelloffen, kostenlos | sehr einfach, nur das Nötigste | niedrig |
| Codieren (Professor Digital) | Browser | kostenlos | Codebuch mit Definition, Ankerbeispiel, Kodierregel; Export für den Anhang | niedrig |
Welches Programm passt zu Mayring, Kuckartz oder Grounded Theory?
Grundsätzlich lässt sich jede Methode mit jedem Programm umsetzen. Es gibt aber Programme, die besser zum Ablauf einer bestimmten Methode passen, weil Lehrbücher oder Funktionen darauf ausgerichtet sind.
| Methode | gut passend | warum |
|---|---|---|
| Inhaltsanalyse nach Mayring | QCAmap, MAXQDA, Codieren | QCAmap bildet die Ablaufmodelle direkt ab; in MAXQDA und Codieren setzt Du Definitionen, Ankerbeispiele und Kodierregeln als Codebuch um |
| Inhaltsanalyse nach Kuckartz | MAXQDA, Codieren | das Lehrbuch von Rädiker und Kuckartz arbeitet mit MAXQDA; fallbezogene Zusammenfassungen und Themenmatrizen sind dort vorgesehen |
| Grounded Theory | ATLAS.ti, MAXQDA, NVivo | offenes Codieren, Memos und Beziehungen zwischen Kategorien; Netzwerkansichten helfen beim axialen Codieren |
| Thematische Analyse | NVivo, MAXQDA, ATLAS.ti, Taguette | flexibles Codieren und Zusammenfassen zu Themen |
| Framework-Analyse | NVivo, MAXQDA | Matrixansichten aus Fällen und Themen |
Lizenz, Kosten und Datenschutz: so gehst Du vor
Kommerzielle QDA-Programme kosten Geld, bieten aber meist vergünstigte Studentenlizenzen mit begrenzter Laufzeit an. Viele Hochschulen haben zusätzlich Campuslizenzen, mit denen Du das Programm auf dem eigenen Rechner oder im Rechnerraum nutzen kannst. Preise und Bedingungen ändern sich; prüf die Herstellerseite und frag beim Rechenzentrum oder in der Bibliothek Deiner Hochschule nach.
- Testversion zuerst: Die großen Anbieter haben zeitlich begrenzte Testversionen. Starte sie erst, wenn Dein Material fertig transkribiert ist, sonst läuft die Testzeit ab, bevor Du richtig anfängst.
- Laufzeit planen: Eine Studentenlizenz für sechs Monate reicht nur, wenn Dein Zeitplan steht. Rechne Korrekturschleifen ein.
- Austausch prüfen: Projektdateien der Programme sind untereinander kaum austauschbar. Es gibt das Austauschformat REFI-QDA, das mehrere Programme unterstützen; prüf, ob Dein Programm es kann.
- Datenschutz: Anonymisiere Transkripte vor dem Import. Bei Web-Anwendungen und KI-Funktionen klärst Du, wo die Daten gespeichert und verarbeitet werden, und hältst Dich an Deine Einwilligungserklärung.
- Betreuung fragen: Manche Lehrstühle setzen ein bestimmtes Programm voraus oder geben Unterstützung nur für eines. Frag früh nach.
Häufige Fragen
Welche QDA-Software ist die beste für die Bachelorarbeit?
Es gibt kein bestes Programm. Für 8 bis 20 Interviews reicht meist ein schlankes Werkzeug. Hat Deine Hochschule eine Campuslizenz für MAXQDA, ATLAS.ti oder NVivo, ist das eine gute Wahl, weil Du dort oft auch Kurse und Hilfe bekommst.
MAXQDA oder NVivo — was ist besser?
Beide können alles, was eine Abschlussarbeit braucht. MAXQDA ist im deutschsprachigen Raum verbreiteter und hat eine deutsche Oberfläche, NVivo ist international stärker vertreten. Nimm das Programm, für das Deine Hochschule eine Lizenz und Unterstützung anbietet.
Gibt es eine kostenlose Alternative zu MAXQDA?
Ja. QualCoder und Taguette sind quelloffen und kostenlos, QCAmap ist eine Web-Anwendung für Mayring, und Codieren von Professor Digital ist ein kostenloses Online-Werkzeug für Inhaltsanalysen mit Codebuch und Export.
Welche Software eignet sich für Mayring?
QCAmap wurde gezielt für die Inhaltsanalyse nach Mayring entwickelt. Mit MAXQDA, ATLAS.ti, NVivo oder Codieren geht es ebenso, wenn Du Definitionen, Ankerbeispiele und Kodierregeln als Codebuch pflegst.
Muss ich in der Abschlussarbeit eine QDA-Software verwenden?
Nein, meist ist das nicht vorgeschrieben. Entscheidend ist, dass Dein Vorgehen nachvollziehbar dokumentiert ist. Nenn im Methodenteil das verwendete Programm mit Version, falls Du eines nutzt.
Quellen und weiterführende Literatur
- Kuckartz, U., & Rädiker, S. (2022). Qualitative Inhaltsanalyse. Methoden, Praxis, Computerunterstützung (5. Aufl.). Beltz Juventa.
- Rädiker, S., & Kuckartz, U. (2019). Analyse qualitativer Daten mit MAXQDA. Text, Audio und Video. Springer VS.
- Mayring, P. (2022). Qualitative Inhaltsanalyse. Grundlagen und Techniken (13. Aufl.). Beltz.
- Handbücher und Dokumentationen der Hersteller (MAXQDA, ATLAS.ti, NVivo, QCAmap, QualCoder, Taguette), jeweils aktuelle Fassung.
Was an Deiner Hochschule gilt, steht in Prüfungsordnung und Leitfaden Deines Fachs — die haben immer Vorrang.
Passt dazu
- QDA-SoftwareQDA-Software hilft beim Codieren, Ordnen und Auswerten qualitativer Daten. Für zehn bis zwanzig Interviews reicht oft ein schlankes Werkzeug oder eine Tabelle.
- Mayring mit MAXQDAIn MAXQDA setzt Du Mayring so um: Kategorien als Codesystem, Definitionen und Ankerbeispiele in Code-Memos, codieren, zusammenfassen, auszählen.
- Inhaltsanalyse nach MayringDie Inhaltsanalyse nach Mayring wertet Texte regelgeleitet aus: durch Zusammenfassung, Explikation oder Strukturierung entlang eines festen Ablaufmodells.
- Inhaltsanalyse nach KuckartzKuckartz und Rädiker unterscheiden inhaltlich strukturierende, evaluative und typenbildende Inhaltsanalyse. Meist genutzt: die strukturierende in sieben Phasen.
- Interviews auswertenInterviews wertest Du in sieben Schritten aus: transkribieren, anonymisieren, Methode wählen, Kategorien bilden, codieren, analysieren, Ergebnisse schreiben.
- Codebuch erstellenEin Codebuch (Kodierleitfaden) beschreibt jede Kategorie mit Definition, Ankerbeispiel und Kodierregel, damit Codieren nachvollziehbar und wiederholbar ist.