p-Wert und Signifikanz verstehen: Bedeutung, Fehler, Berichten
Fachlich verantwortet von Prof. Dr. Alexander Holtermann · Stand 16.10.2026 · 5 Min. Lesezeit
Der p-Wert ist die Wahrscheinlichkeit, ein mindestens so extremes Ergebnis zu erhalten, wenn die Nullhypothese stimmt. Unter α = 0,05 heißt es signifikant.
Das Wichtigste in Kürze
- Der p-Wert beantwortet die Frage: Wie wahrscheinlich wäre ein Ergebnis wie meines (oder ein noch extremeres), wenn es in Wahrheit keinen Effekt gäbe?
- Ist p kleiner als das vorher festgelegte Signifikanzniveau α (meist 0,05), verwirfst Du die Nullhypothese und nennst das Ergebnis statistisch signifikant.
- Der p-Wert ist nicht die Wahrscheinlichkeit, dass die Nullhypothese stimmt, und sagt nichts über die Größe oder Wichtigkeit eines Effekts.
- Mit großen Stichproben werden auch winzige Effekte signifikant. Berichte deshalb immer zusätzlich eine Effektstärke.
- Nach APA berichtest Du exakte p-Werte mit drei Nachkommastellen ohne führende Null, etwa p = ,004; Werte unter ,001 als p < ,001.
Was ist der p-Wert?
Jeder Signifikanztest startet mit einer Nullhypothese (H₀): Es gibt keinen Unterschied, keinen Zusammenhang, keinen Effekt. Der Test berechnet dann, wie gut Deine Daten zu dieser Annahme passen.
Der p-Wert (englisch p-value) ist die Wahrscheinlichkeit, unter der Annahme, dass H₀ stimmt, ein Ergebnis zu beobachten, das mindestens so extrem ist wie Deins. Ein kleiner p-Wert bedeutet: Wenn es wirklich keinen Effekt gäbe, wären Daten wie Deine sehr ungewöhnlich. Daraus schließt Du, dass die Nullhypothese vermutlich nicht stimmt.
Signifikanzniveau α: die Entscheidungsgrenze
Das Signifikanzniveau α (Alpha) legst Du vor der Auswertung fest. Es ist die Irrtumswahrscheinlichkeit, die Du akzeptierst, wenn Du die Nullhypothese fälschlich verwirfst (Fehler 1. Art). In den Sozial- und Wirtschaftswissenschaften ist α = 0,05 Standard, in der Medizin oder bei vielen Tests werden oft strengere Grenzen verwendet.
Die Entscheidungsregel ist einfach: Ist p ≤ α, ist das Ergebnis signifikant und Du verwirfst H₀. Ist p > α, behältst Du H₀ bei. Wichtig: „Beibehalten“ heißt nicht „bestätigt“. Ein nicht signifikantes Ergebnis zeigt nur, dass Deine Daten nicht ausreichen, um einen Effekt nachzuweisen.
| p-Wert | übliche Bezeichnung | Entscheidung bei α = 0,05 |
|---|---|---|
| p > ,05 | nicht signifikant (n. s.) | H₀ beibehalten |
| p ≤ ,05 | signifikant | H₀ verwerfen |
| p ≤ ,01 | sehr signifikant | H₀ verwerfen |
| p ≤ ,001 | hoch signifikant | H₀ verwerfen |
Die häufigsten Fehlinterpretationen
Der p-Wert ist einer der am häufigsten missverstandenen Kennwerte der Wissenschaft. Die American Statistical Association hat 2016 eigens eine Stellungnahme veröffentlicht, um die gröbsten Irrtümer auszuräumen (Wasserstein & Lazar, 2016). Diese Sätze solltest Du in Deiner Arbeit nie schreiben:
- Falsch: „p = ,004 bedeutet, dass die Nullhypothese mit 0,4 % Wahrscheinlichkeit stimmt.“ Der p-Wert setzt H₀ als wahr voraus und kann deshalb keine Wahrscheinlichkeit für H₀ angeben.
- Falsch: „Mit 99,6 % Wahrscheinlichkeit ist meine Hypothese richtig.“ Auch das lässt sich aus p nicht ableiten.
- Falsch: „Das Ergebnis ist hoch signifikant, also ist der Effekt groß.“ Signifikanz hängt stark von der Stichprobengröße ab, die Größe des Effekts zeigt erst die Effektstärke.
- Falsch: „p = ,08, also gibt es keinen Unterschied.“ Ein nicht signifikantes Ergebnis ist kein Beweis für die Nullhypothese.
- Falsch: „p = ,049 und p = ,051 sind grundverschiedene Ergebnisse.“ Die Grenze bei ,05 ist eine Konvention, die beiden Befunde sind praktisch gleich stark.
Warum die Stichprobengröße den p-Wert treibt
Der p-Wert hängt von zwei Dingen ab: der Größe des Effekts und der Größe der Stichprobe. Ein winziger Effekt wird bei sehr vielen Befragten signifikant, ein großer Effekt bei wenigen Befragten womöglich nicht.
Deshalb gilt: Signifikant heißt nicht relevant. Ergänze jeden p-Wert um eine Effektstärke (Cohens d, r, η² oder Cramérs V) und am besten um ein Konfidenzintervall. Plane die Stichprobe vorher mit einer Power-Analyse, damit sie groß genug für den Effekt ist, den Du erwartest.
| Korrelation r | Stichprobe n | p-Wert (zweiseitig) | Bewertung |
|---|---|---|---|
| 0,10 (kleiner Effekt) | 1.000 | ,002 | signifikant, aber praktisch klein |
| 0,50 (großer Effekt) | 10 | ,141 | nicht signifikant, aber womöglich bedeutsam |
Einseitig oder zweiseitig testen?
Ein zweiseitiger Test prüft, ob es überhaupt einen Unterschied gibt, egal in welche Richtung. Ein einseitiger Test prüft nur eine Richtung, etwa „Gruppe A ist besser als Gruppe B“. Bei symmetrischen Tests wie dem t-Test ist der einseitige p-Wert halb so groß wie der zweiseitige, sofern der Effekt in die vorhergesagte Richtung geht.
Einseitig testen darfst Du nur, wenn Du die Richtung vor der Datenerhebung begründet als gerichtete Hypothese formuliert hast. Nachträglich auf einseitig umzustellen, weil p = ,08 knapp verfehlt wurde, ist ein methodischer Fehler. Im Zweifel testest Du zweiseitig, das ist der Standard in den meisten Programmen und Fachzeitschriften.
p-Werte richtig berichten
Nach dem APA-Manual (7. Auflage) berichtest Du exakte p-Werte mit zwei oder drei Nachkommastellen, nicht nur „p < ,05“. Weil ein p-Wert nicht größer als 1 werden kann, entfällt die führende Null. Werte unter ,001 schreibst Du als p < ,001, niemals als p = ,000. Das p wird kursiv gesetzt.
In deutschsprachigen Arbeiten ist das Dezimalkomma üblich (p = ,004), manche Lehrstühle verlangen den Punkt wie im Englischen (p = .004). Halte Dich an die Vorgabe Deines Instituts und bleib einheitlich.
- gut:
t(13,46) = 3,42, p = ,004, d = 1,71 - gut:
χ²(1, N = 100) = 9,09, p = ,003, V = ,30 - gut:
F(2, 12) = 18,00, p < ,001, η² = ,75 - schlecht:
p = 0,000oder nurp < ,05ohne Teststatistik - schlecht: Sternchen im Fließtext statt exakter Werte
Häufige Fragen
Was sagt der p-Wert einfach erklärt aus?
Er sagt, wie überraschend Dein Ergebnis wäre, wenn es in Wahrheit keinen Effekt gäbe. Ein kleiner p-Wert (meist unter 0,05) spricht gegen die Annahme „kein Effekt“.
Ab wann ist ein Ergebnis signifikant?
Wenn der p-Wert kleiner oder gleich dem vorher festgelegten Signifikanzniveau ist, in den meisten Fächern α = 0,05.
Was mache ich mit einem nicht signifikanten Ergebnis?
Berichte es genauso vollständig wie ein signifikantes, mit Teststatistik, exaktem p-Wert und Effektstärke. Diskutiere mögliche Gründe wie zu geringe Teststärke und ziehe keine Schlüsse wie „es gibt keinen Unterschied“.
Warum schreibt man p = ,004 ohne Null?
APA-Stil lässt die führende Null bei Kennwerten weg, die nicht größer als 1 werden können. Das gilt für p-Werte, Korrelationen und Cronbachs Alpha.
Ist p = ,05 signifikant?
Nach der üblichen Regel p ≤ α ja. Viele Programme geben aber gerundete Werte aus; prüfe bei Grenzfällen mehr Nachkommastellen und berichte den exakten Wert.
Quellen und weiterführende Literatur
- Wasserstein, R. L., & Lazar, N. A. (2016). The ASA statement on p-values: Context, process, and purpose. The American Statistician, 70(2), 129–133.
- American Psychological Association. (2020). Publication Manual of the American Psychological Association (7. Aufl.). APA.
- Bortz, J., & Schuster, C. (2010). Statistik für Human- und Sozialwissenschaftler (7. Aufl.). Springer.
Was an Deiner Hochschule gilt, steht in Prüfungsordnung und Leitfaden Deines Fachs — die haben immer Vorrang.
Passt dazu
- EffektstärkeDie Effektstärke zeigt, wie groß ein Unterschied oder Zusammenhang ist. Nach Cohen gilt d = 0,2 als klein, 0,5 als mittel und 0,8 als groß.
- Fehler 1. und 2. ArtFehler 1. Art (α): Du findest einen Effekt, den es nicht gibt. Fehler 2. Art (β): Du übersiehst einen echten Effekt. Die Power ist 1 − β.
- Signifikanztest Schritt für SchrittEin Signifikanztest läuft in sieben Schritten: Hypothesen, α festlegen, Test wählen, Voraussetzungen prüfen, Teststatistik, p-Wert, Entscheidung.
- KonfidenzintervallEin 95-%-Konfidenzintervall ist ein Bereich um den Stichprobenwert, der bei wiederholten Stichproben in 95 % der Fälle den wahren Wert enthält.
- Hypothesen formulierenEine Hypothese ist eine prüfbare Annahme über einen Zusammenhang oder Unterschied. Du formulierst sie als H1 mit Gegenstück H0 und begründest sie mit Theorie.