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Konfidenzintervall berechnen und richtig interpretieren

Fachlich verantwortet von Prof. Dr. Alexander Holtermann · Stand 16.10.2026 · 4 Min. Lesezeit

Ein 95-%-Konfidenzintervall ist ein Bereich um den Stichprobenwert, der bei wiederholten Stichproben in 95 % der Fälle den wahren Wert enthält.

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein Konfidenzintervall (KI) gibt einen Bereich plausibler Werte für einen Kennwert der Grundgesamtheit an, etwa für einen Mittelwert oder eine Mittelwertdifferenz.
  • Für einen Mittelwert gilt: KI = x̄ ± t · s / √n. Mit M = 24, SD = 5 und n = 25 ergibt sich das 95-%-KI [21,94; 26,06].
  • Die 95 % beziehen sich auf das Verfahren: Würdest Du die Studie sehr oft wiederholen, enthielten etwa 95 % der so berechneten Intervalle den wahren Wert.
  • Je größer die Stichprobe und je kleiner die Streuung, desto schmaler und genauer wird das Intervall.
  • Enthält das 95-%-KI einer Mittelwertdifferenz nicht die Null, ist der Unterschied auf dem 5-%-Niveau signifikant.

Was ist ein Konfidenzintervall?

Ein Mittelwert aus einer Stichprobe ist eine Punktschätzung: eine einzige Zahl, die den wahren Wert der Grundgesamtheit fast nie exakt trifft. Ein Konfidenzintervall (Vertrauensintervall, englisch confidence interval, CI) ergänzt sie um eine Intervallschätzung: einen Bereich, in dem der wahre Wert mit hoher Sicherheit liegt.

Das Konfidenzniveau gibst Du vorher vor, meist 95 %. Es entspricht dem Signifikanzniveau α = 0,05. Ein 99-%-KI ist breiter, weil Du mehr Sicherheit willst; ein 90-%-KI ist schmaler.

Formel für den Mittelwert

Für den Mittelwert einer metrischen Variable lautet die Formel:

KI = x̄ ± t(1 − α/2; n − 1) · s / √n

Der Ausdruck s / √n ist der Standardfehler des Mittelwerts. Der Faktor t ist der kritische Wert der t-Verteilung mit n − 1 Freiheitsgraden. Bei großen Stichproben nähert er sich dem z-Wert der Normalverteilung, 1,96 für 95 %.

Freiheitsgradet für 95 %t für 99 %
92,2623,250
242,0642,797
991,9842,626
unendlich (z)1,9602,576

Rechenbeispiel: 95-%-Konfidenzintervall

Du befragst 25 Studenten zu ihrer wöchentlichen Arbeitszeit neben dem Studium und erhältst M = 24 Stunden mit SD = 5. Gesucht ist das 95-%-Konfidenzintervall für die mittlere Arbeitszeit aller Studenten Deiner Hochschule.

  • Standardfehler: SE = 5 / √25 = 5 / 5 = 1,00
  • Freiheitsgrade: df = 25 − 1 = 24, kritischer Wert t = 2,064
  • Fehlerspanne: 2,064 · 1,00 = 2,064
  • Untere Grenze: 24 − 2,064 = 21,94; obere Grenze: 24 + 2,064 = 26,06

Wie interpretiere ich ein Konfidenzintervall richtig?

Die korrekte Deutung ist etwas sperrig: Würdest Du sehr viele Stichproben derselben Größe ziehen und jedes Mal ein 95-%-KI berechnen, enthielten etwa 95 % dieser Intervalle den wahren Mittelwert. Für ein einzelnes, schon berechnetes Intervall gilt: Es enthält den wahren Wert entweder oder nicht.

In der Praxis ist eine vereinfachte Lesart verbreitet und für Abschlussarbeiten akzeptabel: „Die Werte im Intervall sind mit den Daten gut vereinbar.“ Vermeide aber die Formulierung „Der wahre Wert liegt mit 95 % Wahrscheinlichkeit im Intervall“, sie ist im klassischen Verständnis nicht korrekt.

  • Breite zeigt die Genauigkeit: Ein schmales Intervall bedeutet eine präzise Schätzung
  • Lage zeigt die Größe: Liegt das gesamte Intervall in einem praktisch relevanten Bereich, ist der Befund aussagekräftig
  • Null im Intervall einer Differenz heißt: Kein Unterschied ist mit den Daten vereinbar, der Test wäre nicht signifikant
  • Überlappung zweier Intervalle für Gruppenmittelwerte ist kein exakter Test; leichte Überlappung kann trotzdem einen signifikanten Unterschied bedeuten

Konfidenzintervall für eine Mittelwertdifferenz

Besonders aussagekräftig ist das KI für den Unterschied zweier Gruppen, weil es Signifikanz und Effektgröße in einer Angabe vereint. Beim t-Test für unabhängige Stichproben gilt: KI = (x̄₁ − x̄₂) ± t · SE_Differenz.

Konfidenzintervall für Anteile

Für Prozentwerte aus einer Umfrage nutzt Du die Normalverteilungsnäherung:

KI = p ± z · √(p · (1 − p) / n)

Sie liefert brauchbare Werte, wenn n · p und n · (1 − p) jeweils mindestens etwa 10 betragen. Genau diese Formel steckt, nach n umgestellt, auch hinter dem Stichprobenrechner: Mit 385 Befragten ergibt sich für p = 0,5 eine Fehlerspanne von ± 5 Prozentpunkten.

Konfidenzintervalle berichten

Das APA-Manual empfiehlt ausdrücklich, Konfidenzintervalle zu Mittelwerten, Differenzen und Effektstärken zu berichten. Schreib das Konfidenzniveau beim ersten Mal aus, danach genügt die Kurzform. Die Grenzen stehen in eckigen Klammern, getrennt durch Komma (im Englischen) oder Semikolon (im Deutschen, wegen des Dezimalkommas).

Beispiel: „Studenten mit Lernplan erreichten im Mittel 2,50 Punkte mehr als Studenten ohne Lernplan, 95-%-KI [0,92; 4,08], t(13,46) = 3,42, p = ,004, d = 1,71.“

Häufige Fragen

Was sagt ein 95-%-Konfidenzintervall aus?

Es gibt einen Bereich an, der bei vielen Wiederholungen der Studie in 95 % der Fälle den wahren Wert enthalten würde. Vereinfacht: die mit den Daten gut vereinbaren Werte für den wahren Kennwert.

Wie berechne ich ein Konfidenzintervall für den Mittelwert?

Mittelwert plus und minus t-Wert mal Standardfehler, also x̄ ± t · s / √n. Für 95 % und große Stichproben ist t ungefähr 1,96.

Warum wird das Konfidenzintervall mit größerer Stichprobe schmaler?

Weil der Standardfehler s / √n mit wachsendem n sinkt. Eine Vervierfachung der Stichprobe halbiert die Breite des Intervalls ungefähr.

Was bedeutet es, wenn das Konfidenzintervall die Null enthält?

Bei einer Differenz oder einem Zusammenhang heißt das: Ein Wert von null ist mit den Daten vereinbar, der Effekt ist auf dem entsprechenden Niveau nicht signifikant.

Quellen und weiterführende Literatur

  • Bortz, J., & Schuster, C. (2010). Statistik für Human- und Sozialwissenschaftler (7. Aufl.). Springer.
  • Eid, M., Gollwitzer, M., & Schmitt, M. (2017). Statistik und Forschungsmethoden (5. Aufl.). Beltz.
  • American Psychological Association. (2020). Publication Manual of the American Psychological Association (7. Aufl.). APA.

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