Literaturverzeichnis richtig anlegen: Ordnung, Angaben, häufige Fehler
Fachlich verantwortet von Prof. Dr. Alexander Holtermann · Stand 16.10.2026 · 4 Min. Lesezeit
Ins Literaturverzeichnis gehört jede zitierte Quelle, alphabetisch nach Nachnamen, vollständig und einheitlich im vorgeschriebenen Zitierstil.
Das Wichtigste in Kürze
- Ins Literaturverzeichnis gehören alle Quellen, die Du im Text belegt hast, und nur diese. Gelesene, aber nicht zitierte Werke gehören nicht hinein.
- Sortiert wird alphabetisch nach dem Nachnamen des ersten Autors, bei gleichem Autor chronologisch, das älteste Werk zuerst.
- Jeder Eintrag braucht mindestens Autor, Jahr, Titel und Fundstelle (Verlag, Zeitschrift mit Band und Seiten oder URL).
- Ein gemeinsames Verzeichnis ist Standard. Getrennte Verzeichnisse etwa für Primär- und Sekundärliteratur nur, wenn Dein Leitfaden das verlangt.
- Der häufigste Fehler sind Abweichungen zwischen Kurzbeleg und Verzeichnis, etwa andere Jahreszahlen oder fehlende Einträge.
- Maßgeblich ist der Leitfaden Deiner Hochschule. Er legt Zitierstil und Form fest.
Was gehört ins Literaturverzeichnis?
Das Literaturverzeichnis ist das Gegenstück zu Deinen Kurzbelegen. Jeder Beleg im Text muss dort auffindbar sein, und jeder Eintrag dort muss im Text mindestens einmal zitiert sein. Eine Bibliografie im Sinne aller gelesenen Werke ist in Hausarbeiten und Abschlussarbeiten nicht gefragt.
Das Verzeichnis steht nach dem Fazit und vor dem Anhang. Es wird meist im Inhaltsverzeichnis aufgeführt, aber nicht nummeriert. Welche Form genau gilt, entscheidet Dein Institut. Maßgeblich ist der Leitfaden oder die Prüfungsordnung Deiner Hochschule. Lad ihn in Professor Digital hoch, dann richtet sich alles danach.
- Bücher, Sammelbände und einzelne Beiträge daraus
- Fachaufsätze aus Zeitschriften
- Internetquellen, Berichte, amtliche Statistiken
- Abschlussarbeiten und Dissertationen
- Gesetze und Urteile nur, wenn Dein Leitfaden es verlangt (in Jura meist nicht)
- eigene Datensätze und Software nach Vorgabe, zum Beispiel bei APA
Wie wird sortiert?
Die Ordnung folgt einfachen Regeln, die in fast allen Zitierstilen gleich sind. Schwierig wird es nur bei Sonderfällen wie Namenszusätzen oder Organisationen.
| Fall | Regel | Beispiel |
|---|---|---|
| Grundregel | alphabetisch nach Nachname des ersten Autors | Bauer vor Müller vor Schmidt |
| gleicher Autor | chronologisch, älteste zuerst | Müller (2018) vor Müller (2021) |
| gleicher Autor, gleiches Jahr | nach Titel, mit a, b, c | Müller (2021a), Müller (2021b) |
| Einzelautor und Mitautorenschaft | Einzelwerk vor Gemeinschaftswerk | Müller (2021) vor Müller & Schmidt (2019) |
| Organisation als Autor | nach ausgeschriebenem Namen | Statistisches Bundesamt unter S |
| Namenszusätze | je nach Stil; im Deutschen meist nach dem Nachnamen | Goethe, J. W. von |
| Umlaute | wie Grundvokal einsortiert | Müller wie Muller |
Welche Angaben braucht ein Eintrag?
Ein vollständiger Eintrag ermöglicht es jedem Leser, die Quelle eindeutig zu finden. Die Reihenfolge und Zeichensetzung hängt vom Zitierstil ab, der Inhalt ist überall ähnlich.
| Quellenart | Pflichtangaben |
|---|---|
| Buch | Autor, Jahr, Titel, Auflage (ab 2. Auflage), Verlag, je nach Stil Ort |
| Beitrag im Sammelband | Autor, Jahr, Titel des Beitrags, Herausgeber, Titel des Sammelbands, Seiten, Verlag |
| Zeitschriftenaufsatz | Autor, Jahr, Titel, Zeitschrift, Band, Heft, Seiten, DOI falls vorhanden |
| Internetquelle | Autor oder Organisation, Datum, Titel, URL, Abrufdatum je nach Stil |
| Abschlussarbeit | Autor, Jahr, Titel, Art der Arbeit, Hochschule |
Ein Verzeichnis oder mehrere?
In den meisten Fächern gibt es ein gemeinsames Literaturverzeichnis für alle Quellenarten. Getrennte Verzeichnisse sind in einigen Fächern üblich: In Literatur- und Geschichtswissenschaft trennt man oft Primärliteratur (die untersuchten Werke oder historischen Quellen) von Sekundärliteratur (Forschung darüber). Manche Wirtschaftsinstitute verlangen ein eigenes Verzeichnis für Internetquellen. In Jura gibt es neben dem Literaturverzeichnis oft kein Verzeichnis für Gesetze, weil diese im Text zitiert werden.
Ohne ausdrückliche Vorgabe ist ein gemeinsames Verzeichnis die sichere Wahl, weil Leser jeden Kurzbeleg an einer Stelle nachschlagen können.
Formatierung
Die Formatierung sorgt dafür, dass Leser schnell den gesuchten Namen finden. Die folgenden Punkte gelten für APA und die meisten anderen Stile, Details regelt Dein Leitfaden.
- Hängender Einzug: Die erste Zeile jedes Eintrags beginnt am Rand, Folgezeilen sind eingerückt (APA: 1,27 cm).
- Keine Aufzählungszeichen und keine Nummerierung der Einträge, außer bei numerischen Stilen.
- Kursivschrift für selbstständige Werke (Buchtitel, Zeitschriftenname), nicht für Aufsatztitel.
- Einheitlichkeit: Vornamen immer als Initialen oder immer ausgeschrieben, nie gemischt.
- DOI und URL als vollständiger Link, ohne Punkt danach, damit er funktioniert.
Häufige Fehler und wie Du sie findest
Fehler im Literaturverzeichnis wirken nachlässig und kosten Punkte in der Bewertung der Form. Die meisten lassen sich mit einer Literaturverwaltung vermeiden, die Kurzbelege und Verzeichnis aus denselben Daten erzeugt. Prüf trotzdem am Ende von Hand, denn importierte Daten aus Katalogen sind oft unvollständig, etwa ohne Auflage oder mit falscher Groß- und Kleinschreibung.
- Quelle im Text zitiert, aber im Verzeichnis vergessen, oder umgekehrt
- abweichende Jahreszahl oder Schreibweise des Namens zwischen Text und Verzeichnis
- fehlende Seitenzahlen bei Aufsätzen und Sammelbandbeiträgen
- Sammelband statt des konkreten Beitrags angegeben
- Vorlesungsfolien oder Lexikonartikel als Quellen für Fachaussagen
- gemischte Stile, etwa einige Einträge mit, andere ohne Verlagsort
- Abrufdatum fehlt, obwohl der Leitfaden es verlangt
Häufige Fragen
Wie sortiere ich ein Literaturverzeichnis?
Alphabetisch nach dem Nachnamen des ersten Autors. Mehrere Werke desselben Autors ordnest Du chronologisch, das älteste zuerst. Bei gleichem Jahr ergänzt Du a, b, c.
Gehören gelesene, aber nicht zitierte Bücher ins Literaturverzeichnis?
Nein. Ins Literaturverzeichnis kommen nur Quellen, die Du im Text belegt hast.
Muss ich Internetquellen getrennt aufführen?
Nur wenn Dein Leitfaden es verlangt. Standard ist ein gemeinsames Verzeichnis für alle Quellenarten.
Wird das Literaturverzeichnis nummeriert?
Die Einträge nicht, außer bei numerischen Zitierstilen. Das Verzeichnis selbst erscheint im Inhaltsverzeichnis, meist ohne Kapitelnummer.
Zählt das Literaturverzeichnis zur Seitenzahl?
In der Regel nicht. Gezählt wird meist nur der Text von der Einleitung bis zum Fazit. Prüf die Vorgabe Deiner Prüfungsordnung.
Kann Word das Literaturverzeichnis automatisch erstellen?
Ja, Word hat im Register Referenzen (je nach Version Verweise) eine einfache Quellenverwaltung mit einigen Stilen. Für Abschlussarbeiten sind Citavi, Zotero, EndNote oder Mendeley zuverlässiger, weil sie mehr Stile und bessere Importfunktionen bieten.
Quellen und weiterführende Literatur
- American Psychological Association. (2020). Publication Manual of the American Psychological Association (7th ed.). APA.
- Deutsche Gesellschaft für Psychologie. (2019). Richtlinien zur Manuskriptgestaltung (5. Aufl.). Hogrefe.
- Karmasin, M., & Ribing, R. Die Gestaltung wissenschaftlicher Arbeiten. UTB (facultas), aktuelle Auflage.
Was an Deiner Hochschule gilt, steht in Prüfungsordnung und Leitfaden Deines Fachs — die haben immer Vorrang.
Passt dazu
- Zitieren nach APA 7APA 7 belegt im Text mit Autor und Jahr, etwa (Müller, 2021, S. 12). Im Literaturverzeichnis stehen alle Quellen alphabetisch mit hängendem Einzug.
- Harvard-ZitierweiseBei der Harvard-Zitierweise steht der Beleg als Kurzform im Text, etwa (Müller 2021: 45). Die vollständige Angabe folgt im Literaturverzeichnis.
- Deutsche ZitierweiseBei der deutschen Zitierweise belegst Du in Fußnoten: erst vollständig oder kurz, danach kurz. Für dieselbe Quelle direkt davor steht „ebd.“.
- LiteraturrechercheEine gute Literaturrecherche kombiniert Bibliothekskatalog, Fachdatenbanken und Schneeballprinzip, nutzt Suchoperatoren und prüft jede Quelle auf Qualität.
- Anhang AbschlussarbeitIn den Anhang gehören Materialien, die Deine Arbeit nachprüfbar machen, aber den Text überladen würden: Fragebogen, Leitfaden, Transkripte, Codebuch.
- Literaturverwaltung im VergleichCitavi ist an deutschen Hochschulen verbreitet (Windows, Wissensorganisation), Zotero kostenlos auf allen Systemen. Weitere: EndNote, Mendeley, JabRef.
- Citavi oder Zotero?Citavi lohnt sich mit Campuslizenz unter Windows und für Wissensorganisation. Zotero ist kostenlos, läuft überall und arbeitet auch mit LibreOffice.