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Plagiatsprüfung an der Hochschule: Turnitin, Bericht, Selbstprüfung

Fachlich verantwortet von Prof. Dr. Alexander Holtermann · Stand 16.10.2026 · 4 Min. Lesezeit

Hochschulen prüfen Arbeiten mit Software wie Turnitin, Ouriginal oder Docoloc. Der Ähnlichkeitsbericht zeigt Übereinstimmungen, die Prüfer dann bewerten.

Das Wichtigste in Kürze

  • Viele Hochschulen prüfen Abschlussarbeiten und teils auch Hausarbeiten mit Plagiatssoftware. Verbreitet sind Turnitin, Ouriginal (hervorgegangen aus Urkund und PlagScan), Docoloc und PlagAware; iThenticate wird vor allem bei Publikationen genutzt.
  • Die Software findet Textübereinstimmungen mit Webseiten, Publikationen und früher eingereichten Arbeiten und fasst sie in einem Ähnlichkeitsbericht mit Prozentwert zusammen.
  • Ein Prozentwert allein beweist nichts: Korrekt zitierte Stellen, Literaturangaben und Fachbegriffe erzeugen ebenfalls Treffer. Ob ein Plagiat vorliegt, entscheiden Menschen.
  • Paraphrasen ohne Beleg, übersetzte Plagiate und Ideenübernahmen erkennt Software nur teilweise. Sauber belegen schützt besser als jeder Test.
  • Vorsicht bei Selbstprüfung: Manche Dienste speichern hochgeladene Texte. Prüf vorher, was mit Deinem Text passiert, und nutze Angebote Deiner Hochschule.

Wie Hochschulen auf Plagiate prüfen

An vielen Hochschulen wird jede Abschlussarbeit digital eingereicht und automatisch durch eine Plagiatssoftware geprüft. Andere prüfen nur stichprobenartig oder bei Verdacht. Wie es an Deiner Hochschule läuft, steht in der Prüfungsordnung oder in den Hinweisen zur Abgabe; oft musst Du der Prüfung in der Eigenständigkeitserklärung ausdrücklich zustimmen.

Die verbreiteten Systeme im deutschsprachigen Raum sind Turnitin, Ouriginal (entstanden aus dem Zusammenschluss von Urkund und PlagScan und inzwischen Teil von Turnitin), Docoloc und PlagAware. iThenticate stammt ebenfalls von Turnitin und wird vor allem von Verlagen und Forschungseinrichtungen für Publikationen genutzt. Welche Software Deine Hochschule einsetzt, entscheidet sie selbst; die Namen ändern sich mit Übernahmen und Verträgen.

Wichtig: Die Software findet Übereinstimmungen, sie urteilt nicht. Die Bewertung übernehmen Prüfer, oft mit Unterstützung von Plagiatsbeauftragten oder einer Ombudsperson.

Was ein Ähnlichkeitsbericht zeigt

Nach der Prüfung erzeugt die Software einen Ähnlichkeitsbericht (bei Turnitin Similarity Report). Er markiert Textstellen, die mit Quellen in der Datenbank übereinstimmen, nennt die jeweilige Quelle und berechnet einen Gesamtwert, etwa 14 Prozent Übereinstimmung.

Die Datenbanken umfassen typischerweise frei zugängliche Webseiten, Fachpublikationen aus Verlagskooperationen und früher eingereichte Arbeiten, je nach System und Einstellung der Hochschule auch Arbeiten anderer Hochschulen.

Treffer im Berichtwas dahinterstecktproblematisch?
wörtliches Zitat mit Anführungszeichen und Belegkorrekt zitiertnein
Einträge im Literaturverzeichnisgleiche Literaturangaben wie in anderen Arbeitennein
Fachbegriffe, Standardformulierungen, Fragebogen-Itemsunvermeidbare Übereinstimmungmeist nein
eigene frühere ArbeitSelbstplagiat, wenn ohne Hinweis wiederverwendetja, ohne Kennzeichnung
längere Passage ohne Anführungszeichen, mit BelegZitat nicht als wörtlich gekennzeichnetja
längere Passage ohne BelegPlagiatja, schwerwiegend

Warum der Prozentwert allein nichts beweist

Viele Studenten fragen nach einem Grenzwert: Ab wie viel Prozent ist es ein Plagiat? Eine solche Grenze gibt es nicht. Eine Arbeit mit vielen korrekt gekennzeichneten Zitaten und einem langen Literaturverzeichnis kann 25 Prozent erreichen, ohne dass etwas falsch ist. Eine Arbeit mit 4 Prozent kann ein schweres Plagiat enthalten, wenn eine einzige zentrale Passage ohne Beleg übernommen wurde.

Prüfer schauen deshalb nicht auf die Zahl, sondern auf die einzelnen Treffer: Wie lang ist die Stelle? Ist sie belegt? Ist sie als wörtliches Zitat gekennzeichnet? Viele Systeme erlauben es, Zitate und Literaturverzeichnis aus der Berechnung auszuschließen.

Umgekehrt gilt: Ein niedriger Wert ist kein Freispruch. Übersetzte Texte, stark umformulierte Paraphrasen ohne Beleg und übernommene Gedankengänge erkennt Software nur eingeschränkt. Einige Anbieter bieten zusätzlich eine Erkennung von KI-generiertem Text an; deren Zuverlässigkeit ist umstritten, und Fehlalarme kommen vor. Hochschulen werten solche Hinweise in der Regel nicht als alleinigen Beweis.

Selbstprüfung: sinnvoll, aber mit Vorsicht

Du kannst Deine Arbeit vor der Abgabe selbst prüfen. Manche Hochschulen bieten das über die Bibliothek oder das Schreibzentrum an, es gibt auch kommerzielle Dienste. Bevor Du Deinen Text irgendwo hochlädst, kläre zwei Dinge:

  • Speicherung: Nimmt der Dienst Deinen Text in eine Datenbank auf, kann die offizielle Prüfung später einen Treffer mit Deiner eigenen Arbeit melden. Seriöse Angebote für die Selbstprüfung speichern nicht dauerhaft; lies die Bedingungen.
  • Datenschutz: Abschlussarbeiten enthalten oft personenbezogene Daten, etwa aus Interviews oder Unternehmen. Lade nur hoch, was Du darfst, und achte auf Sperrvermerke.
  • Aussagekraft: Eine Selbstprüfung findet nur, was in der Datenbank des jeweiligen Dienstes steht. Ein sauberes Ergebnis heißt nicht, dass das System Deiner Hochschule dasselbe findet.

Besser als jede Prüfung: sauber arbeiten

Die wirksamste Vorbeugung ist sauberes Arbeiten von Anfang an. Plagiate entstehen selten mit Absicht, sondern beim Exzerpieren, wenn wörtliche Notizen später wie eigene Formulierungen aussehen.

  • beim Exzerpieren wörtliche Stellen sofort mit Anführungszeichen und Seitenzahl markieren
  • eine Literaturverwaltung wie Citavi oder Zotero nutzen, damit jeder Beleg seine Quelle behält
  • beim Paraphrasieren den Originaltext weglegen und aus dem Gedächtnis formulieren, dann Beleg setzen
  • Ideen, Modelle, Abbildungen und Daten genauso belegen wie Wörter
  • eigene frühere Arbeiten nur mit Hinweis wiederverwenden und vorher mit der Betreuung klären
  • KI-Hilfe nach den Regeln Deiner Hochschule kennzeichnen

Häufige Fragen

Ab wie viel Prozent ist es ein Plagiat?

Es gibt keinen festen Grenzwert. Der Prozentwert enthält auch korrekte Zitate und Literaturangaben. Entscheidend ist, ob einzelne Stellen ohne Beleg oder ohne Kennzeichnung übernommen wurden.

Welche Plagiatssoftware nutzen deutsche Hochschulen?

Verbreitet sind Turnitin, Ouriginal, Docoloc und PlagAware. Welche Deine Hochschule einsetzt, steht meist in den Hinweisen zur Abgabe oder auf der Seite der Bibliothek.

Erkennt Turnitin KI-Texte?

Turnitin und andere Anbieter haben Funktionen zur KI-Erkennung. Die Zuverlässigkeit ist umstritten, Fehlalarme kommen vor. Hochschulen nutzen solche Hinweise meist nur als Anlass für eine genauere Prüfung.

Kann ich meine Arbeit vorher selbst auf Plagiate prüfen?

Ja, über Angebote Deiner Hochschule oder kommerzielle Dienste. Achte darauf, dass Dein Text nicht dauerhaft in einer Datenbank gespeichert wird, sonst meldet die offizielle Prüfung später einen Treffer.

Werden Hausarbeiten auch auf Plagiate geprüft?

Das hängt von Hochschule und Dozenten ab. Bei Abschlussarbeiten ist eine automatische Prüfung heute verbreitet, bei Hausarbeiten oft stichprobenartig oder bei Verdacht.

Quellen und weiterführende Literatur

  • Weber-Wulff, D. (2014). False Feathers. A Perspective on Academic Plagiarism. Springer.
  • Deutsche Forschungsgemeinschaft. (2019). Leitlinien zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis. Kodex. DFG.
  • Dokumentationen der Anbieter (Turnitin, Docoloc, PlagAware), jeweils aktuelle Fassung.

Was an Deiner Hochschule gilt, steht in Prüfungsordnung und Leitfaden Deines Fachs — die haben immer Vorrang.

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