t-Test in SPSS: durchführen, Ausgabe lesen, nach APA berichten
Fachlich verantwortet von Prof. Dr. Alexander Holtermann · Stand 16.10.2026 · 5 Min. Lesezeit
In SPSS findest Du den t-Test unter Analysieren → Mittelwerte vergleichen. Wichtig in der Ausgabe: Levene-Test, t, df, p, Konfidenzintervall und Effektstärke.
Das Wichtigste in Kürze
- SPSS bietet drei t-Tests: bei einer Stichprobe, bei unabhängigen Stichproben (zwei Gruppen) und bei verbundenen (gepaarten) Stichproben. Du findest sie im Menü Analysieren unter Mittelwerte vergleichen; neuere Versionen benennen den Punkt leicht anders.
- Beim t-Test für unabhängige Stichproben zeigt SPSS zwei Zeilen: Varianzen gleich und Varianzen nicht gleich. Der Levene-Test entscheidet traditionell, welche Zeile Du liest; viele empfehlen, immer die Welch-Zeile zu nutzen.
- Berichtet werden Mittelwerte und Standardabweichungen beider Gruppen, t-Wert, Freiheitsgrade, p-Wert und eine Effektstärke wie Cohens d, zum Beispiel: t(124) = 2.63, p = .010, d = 0.47.
- Neuere SPSS-Versionen geben Effektstärken direkt aus; sonst berechnest Du d aus Mittelwerten und Standardabweichungen.
- In JASP heißt der Weg T-Tests → Independent Samples T-Test, in R reicht t.test(wert ~ gruppe, data = daten). Die Ergebnisse stimmen überein, wenn Du dieselbe Variante wählst.
Welchen t-Test brauchst Du?
Der t-Test vergleicht Mittelwerte. Welche Variante Du in SPSS wählst, hängt von Deinem Design ab. Was der t-Test grundsätzlich prüft und welche Voraussetzungen gelten, erklärt der Artikel zum t-Test.
| Frage | t-Test in SPSS | Beispiel |
|---|---|---|
| Unterscheidet sich ein Mittelwert von einem festen Wert? | T-Test bei einer Stichprobe | Liegt die mittlere Zufriedenheit über dem Skalenmittel 3? |
| Unterscheiden sich zwei unabhängige Gruppen? | T-Test bei unabhängigen Stichproben | Prüfungsangst von Erstsemestern und Masterstudenten |
| Unterscheiden sich zwei Messungen derselben Personen? | T-Test bei verbundenen Stichproben | Stress vor und nach einem Training |
Schritt für Schritt: t-Test bei unabhängigen Stichproben
Die Daten müssen im Langformat vorliegen: eine Zeile pro Person, eine Spalte für die abhängige Variable (z. B. Prüfungsangst) und eine Spalte für die Gruppe (z. B. 1 = Bachelor, 2 = Master). Die Menüpfade unten gelten für die deutsche Oberfläche; in neueren Versionen kann der Menüpunkt etwas anders heißen.
- Menü Analysieren → Mittelwerte vergleichen → T-Test bei unabhängigen Stichproben öffnen.
- Die abhängige Variable in das Feld Testvariable(n) ziehen.
- Die Gruppenvariable in das Feld Gruppenvariable ziehen und über Gruppen definieren die Codes eintragen, z. B. 1 und 2.
- Unter Optionen das Konfidenzintervall prüfen (Standard 95 %) und den Umgang mit fehlenden Werten wählen.
- Mit Einfügen die Syntax speichern, dann ausführen. So bleibt Deine Auswertung nachvollziehbar.
Die SPSS-Ausgabe lesen
SPSS liefert zwei Tabellen, in neueren Versionen zusätzlich eine Tabelle mit Effektgrößen. Die erste Tabelle Gruppenstatistiken zeigt je Gruppe N, Mittelwert, Standardabweichung und Standardfehler. Die zweite Tabelle Test bei unabhängigen Stichproben enthält den eigentlichen Test.
Links steht der Levene-Test der Varianzgleichheit mit F und Signifikanz. Ist p > .05, gelten die Varianzen traditionell als gleich und Du liest die obere Zeile (Varianzen sind gleich). Ist p ≤ .05, liest Du die untere Zeile, die dem Welch-Test entspricht. Viele Methodiker empfehlen inzwischen, unabhängig vom Levene-Test immer die Welch-Zeile zu berichten, weil sie bei gleichen Varianzen kaum etwas verliert. Kläre, was in Deinem Fach üblich ist.
Rechts stehen T, df, die Signifikanz (neuere Versionen zeigen einseitiges und zweiseitiges p getrennt), die mittlere Differenz, ihr Standardfehler und das 95 %-Konfidenzintervall der Differenz.
| Spalte in SPSS | Bedeutung | im Beispiel |
|---|---|---|
| Levene-Test: Signifikanz | prüft gleiche Varianzen | .62 → Varianzen gleich |
| T | Prüfgröße | 2.63 |
| df | Freiheitsgrade (n₁ + n₂ − 2) | 124 |
| Sig. (2-seitig) bzw. zweiseitiges p | Wahrscheinlichkeit unter der Nullhypothese | .010 |
| Mittlere Differenz | Mittelwert Gruppe 1 minus Gruppe 2 | 0.37 |
| 95 %-Konfidenzintervall | Bereich für den wahren Unterschied | [0.09; 0.65] |
| Cohens d (Effektgrößen) | standardisierter Unterschied | 0.47 |
Ergebnis nach APA berichten
Nach APA 7 berichtest Du deskriptive Werte beider Gruppen, den Test und eine Effektstärke. Statistische Symbole stehen kursiv, p ohne führende Null, Dezimalpunkt im englischen Stil oder Dezimalkomma im deutschen Stil, je nach Vorgabe Deiner Hochschule.
- bei der Welch-Zeile die korrigierten Freiheitsgrade mit Nachkommastellen angeben, z. B. t(123.97) = 2.63
- nicht signifikante Ergebnisse genauso vollständig berichten
- p-Werte unter .001 als p < .001 schreiben, nicht als p = .000, auch wenn SPSS .000 anzeigt
Gepaarter t-Test und t-Test bei einer Stichprobe
Beim T-Test bei verbundenen Stichproben stehen die beiden Messungen in zwei Spalten derselben Zeile. Unter Analysieren → Mittelwerte vergleichen wählst Du den Punkt und ziehst die beiden Variablen als Paar in das Feld. Die Ausgabe zeigt Statistiken bei gepaarten Stichproben, die Korrelation der Messungen und den Test mit mittlerer Differenz, t, df und p.
Beim T-Test bei einer Stichprobe ziehst Du die Variable in das Testfeld und trägst den Testwert ein, etwa 3 für die Mitte einer fünfstufigen Skala.
Zum Vergleich: derselbe Test in JASP und R
In JASP öffnest Du die Daten, wählst T-Tests → Independent Samples T-Test, ziehst die abhängige Variable und die Gruppenvariable in die Felder und setzt Häkchen bei Student, Welch, Effektstärke und deskriptiven Statistiken. Die Tabellen erscheinen sofort im APA-Stil. Den Levene-Test findest Du unter den Annahmenprüfungen.
In R genügt eine Zeile: t.test(angst ~ gruppe, data = daten). Achtung: R rechnet standardmäßig den Welch-Test. Für den klassischen Student-Test schreibst Du var.equal = TRUE. Den gepaarten Test rechnest Du mit t.test(vorher, nachher, paired = TRUE), den Levene-Test etwa mit leveneTest() aus dem Paket car. Cohens d liefern Zusatzpakete wie effectsize.
Für eine schnelle Kontrolle Deiner Werte kannst Du den kostenlosen Signifikanz-Rechner von Professor Digital nutzen: Mittelwerte, Standardabweichungen und Gruppengrößen eintragen, und Du bekommst t, p, d und einen Ergebnissatz.
Häufige Fehler
Diese Fehler tauchen in Abschlussarbeiten mit SPSS immer wieder auf:
- Die falsche Zeile der Tabelle wird berichtet, oder t und df stammen aus unterschiedlichen Zeilen.
- Die Gruppenvariable ist falsch codiert, z. B. 0 und 1 statt der unter Gruppen definieren eingetragenen 1 und 2. SPSS zeigt dann leere Tabellen.
- Bei Messwiederholung wird der Test für unabhängige Stichproben gerechnet.
- p = .000 wird abgeschrieben, statt p < .001 zu berichten.
- Die Effektstärke fehlt, obwohl APA sie verlangt.
Häufige Fragen
Wo finde ich den t-Test in SPSS?
Unter Analysieren → Mittelwerte vergleichen. Dort gibt es den T-Test bei einer Stichprobe, bei unabhängigen und bei verbundenen Stichproben. In neueren Versionen kann der Menüpunkt leicht anders benannt sein.
Welche Zeile lese ich beim t-Test in SPSS?
Traditionell entscheidet der Levene-Test: p > .05 → obere Zeile (Varianzen gleich), sonst untere Zeile (Welch). Viele empfehlen, immer die untere Welch-Zeile zu berichten.
Was bedeutet Sig. (2-seitig) in SPSS?
Das ist der zweiseitige p-Wert. Liegt er unter Deinem Signifikanzniveau, meist .05, ist der Unterschied statistisch signifikant.
Wie berechne ich Cohens d in SPSS?
Neuere Versionen geben Cohens d in einer eigenen Tabelle mit Effektgrößen aus. Sonst teilst Du die Mittelwertdifferenz durch die gepoolte Standardabweichung oder nutzt einen Rechner.
Wie berichte ich einen t-Test nach APA?
Mit Mittelwerten und Standardabweichungen beider Gruppen, dann t(df) = Wert, p = Wert, d = Wert, zum Beispiel t(124) = 2.63, p = .010, d = 0.47.
Quellen und weiterführende Literatur
- Bortz, J., & Schuster, C. (2010). Statistik für Human- und Sozialwissenschaftler (7. Aufl.). Springer.
- American Psychological Association. (2020). Publication Manual of the American Psychological Association (7. Aufl.). APA.
- Dokumentation des Herstellers (IBM SPSS Statistics, Prozedur T-Test), aktuelle Fassung.
- Delacre, M., Lakens, D., & Leys, C. (2017). Why psychologists should by default use Welch’s t-test instead of Student’s t-test. International Review of Social Psychology, 30(1), 92–101.
Was an Deiner Hochschule gilt, steht in Prüfungsordnung und Leitfaden Deines Fachs — die haben immer Vorrang.
Passt dazu
- t-TestDer t-Test prüft, ob sich zwei Mittelwerte signifikant unterscheiden: unabhängige Gruppen, gepaarte Messungen oder ein Mittelwert gegen einen Sollwert.
- Ergebnisse nach APA berichtenNach APA 7 nennst Du Teststatistik mit Freiheitsgraden, exakten p-Wert und Effektstärke, etwa t(14) = 3,42, p = ,004, d = 1,71. Statistiksymbole kursiv.
- EffektstärkeDie Effektstärke zeigt, wie groß ein Unterschied oder Zusammenhang ist. Nach Cohen gilt d = 0,2 als klein, 0,5 als mittel und 0,8 als groß.
- p-Wert und SignifikanzDer p-Wert ist die Wahrscheinlichkeit, ein mindestens so extremes Ergebnis zu erhalten, wenn die Nullhypothese stimmt. Unter α = 0,05 heißt es signifikant.
- Statistikprogramme im VergleichSPSS ist an Hochschulen am verbreitetsten, R am mächtigsten, JASP und jamovi kostenlos und einsteigerfreundlich. Excel reicht nur für einfache Auswertungen.
- Mann-Whitney-U-TestDer Mann-Whitney-U-Test vergleicht zwei unabhängige Gruppen über Ränge. Du nutzt ihn statt des t-Tests bei ordinalen Daten oder kleinen, schiefen Stichproben.